Ein Quantum Trost
Daniel Craig besticht mit Muskelpaketen und im Casual-Look – und geht damit schlicht und einfach mit der Zeit
Es begann very british. Mit Sean Connery als Agent in den ersten fünf Filmen war James Bond gutaussehend, adrett und charmant sondersgleichen. Vor allem jedoch - und das war durch den maßgeschneiderten Anzug und die perfekte Frisur optisch unterlegt - war 007 kein verantwortungloser Draufgängertyp wie, mit Verlaub gesagt, Daniel Craig ihn in Reinform darstellt. Nein: Connery war die Zivilisation in Reinkultur.
Ähnlich stilvoll wie einst Connery gab Pierce Brosnan in den 90ern den Gentleman. Einen, der seinen Martini geschüttelt trinkt und nicht gerührt. Einen, der mit Gadges, schnellen Autos und protzigen Uhren ausgestattet ist. Und einen, der Brioni-Anzüge und Smokinghemd nur auszieht, wenn eine Frau ihn dazu animiert.
Daniel Craig punktet anders: An ihm beeindruckt der Umfang seiner Oberarme mehr als seine wenig charmante Art. Die-Macher von "Casino Royale" haben es so gewollt: 007 ging mit der Zeit, indem er auf Männerspielzeug, überflüssige Manieren und Konventionen pfeift. In "Ein Quantum Trost" (Kinostart: 6. November) verzichtet Bond gänzlich auf schnieke Klamottem. So trägt er im neuen Bond-Streifen am liebsten Polohemden, Jeans und kragenlose Jacken. Modeausstatter Tom Ford lässt grüßen.
Für manche Outfits im neuen Bond-Film hätte Craig ebenso gut bei "Abercrombie & Fitch" shoppen können. So oder so machen ihn die Klamotten jünger, als er ist: 41 Jahre alt. Und trotz seines Alters kein bisschen anständig. Damit passt der Bond-Mann perkekt ins Bild der Zeit. Wer kann eine Frau heute noch mit Anstand und guten Manieren hinterm Ofen hervorlocken? Männer unter 35 könnten sich mit dem alten Bond gleich gar nicht mehr identifizieren. Also wurde einmal mehr auf Mainstream statt auf Klasse gesetzt. Zum Glück, denn Bond ist nicht gleich Bond.
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