Hugo-Chefdesigner Bruno Pieters

Hugo-Chefdesigner Bruno Pieters

Der Zukunftsmacher

Seit 2007 ist Bruno Pieters Chefdesigner der Linie Hugo bei Hugo Boss. Ende Januar zeigt er zum ersten Mal seine Männerkollektion in Paris

Bruno Pieters sieht aus wie sein eigenes Model. Der schmale Körperbau, die weichen Gesichtszüge, die blonden Locken – der belgische Designer repräsentiert das, was er selbst als die „neue Sachlichkeit“ in der Mode definiert. Und die vertritt er, seitdem er im Juni 2007 die kreative Verantwortung für die Linie Hugo übernahm. Nach langer Suche hatte sich der größte deutsche Modekonzern Hugo Boss für den jungen Avantgardisten entschieden – eine gute Wahl, die dem in Metzingen angesiedelten Unternehmen ein enormes Umsatzwachstum bescherte. Pieters grafischer, minimalistischer Stil brachte die fast in Vergessenheit geratene Linie wieder in den Fokus des Modegeschehens und nun auch auf den Laufsteg der Pariser Männerschauen.

VANITY FAIR:
Herr Pieters, Sie zeigen im Januar zum ersten Mal Ihre Hugo-Männerkollektion in Paris. Was bedeutet das für Sie und das Haus Hugo Boss?
Bruno Pieters:
Paris ist natürlich ein exzellentes Umfeld für Hugo, deswegen ist es für das Unternehmen ein sehr wichtiger Schritt in die Zukunft. Anders als bei der Berliner Fashion Week, wo wir bisher mit unseren Kollektionen vertreten waren, werden in Paris Frauen- und Männerlinien getrennt präsentiert. Und das ist für mich persönlich sehr spannend. Denn es ist das erste Mal, dass ich eine reine Männerkollektion auf den Laufsteg bringe.
VF:
Der Zeitpunkt ist tendenziell ungünstig, die Finanzkrise überschattet den Markt. Worauf wird sich die Modebranche 2009 einstellen müssen?
B.P.:
Wirtschaftliche Probleme kommen und gehen, das ist wie ein ungeschriebenes Gesetz. In einem Buch, das ich gerade lese, wird die Wirtschaft mit Krebszellen verglichen. Sie wachsen, bis sie sich selbst zerstören, das finde ich sehr treffend. Ich denke aber auch, dass in einer Krise das äußere Erscheinungsbild und Kleidung noch wichtiger werden. Also ist jetzt die perfekte Zeit für jeden, das Beste aus sich rauszuholen und auch in eine gute Garderobe zu investieren.
VF:
Gibt es auch Pläne, die Frauenlinie von Hugo in Paris zu zeigen?
B.P.:
Ja, die gibt es. Wir würden gern mit der Frühjahr/Sommer-Kollektion für 2010 auf der Prêt-à-porter-Schauen im kommenden Herbst beginnen.
VF:
Wie wird die Mode von Hugo im Jahr 2009 sein? Wovon haben Sie sich inspirieren lassen?
B.P.:
Der Hugo-Look des nächsten Sommers wird elegant und reduziert sein, in Schwarz, Weiß, Sand und leuchtendem Blau. Wir haben besonders auf die Details geachtet, um klassischen Silhouetten einen avantgardistischen Twist zu geben. Für die Winterkollektion 2009 habe ich mich vom deutschen Expressionismus inspirieren lassen. Schwarz und Weiß werden den grafischen Stil mit ungewöhnlichen Proportionen dominieren. Dazu kommen Muster wie Fischgrät und Karo.
VF:
Sie entwerfen außerdem Ihre eigene Linie Bruno Pieters. Wie unterscheidet sie sich von Hugo?
B.P.:
Die Hugo-Kollektion ist auf die Unternehmensphilosophie von Boss abgestimmt. Meine Aufgabe dort ist es, die Marke aufzufrischen und auf ein noch höheres Level zu heben. Hugo ist für mich sehr grafisch, fast architektonisch, mit vielen klassischen Elementen, mit denen ich gern experimentiere. Und natürlich ist die Qualität der Materialien essenziell. Aber ich werde auch immer meine eigene Kollektion machen, die uneingeschränkt meine Philosophie repräsentiert. Das ist mir sehr wichtig. Ich finde es ungeheuer inspirierend, an unterschiedlichen Projekten zu arbeiten.

Olga Blumhardt/ Vanity Fair - 02. Januar 2009

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