1. Die Entwicklung des Golf
  2. Innige Liebe zum Golf
  3. Rückkehr zu den Wurzeln
  4. Der neue Golf
  5. Der Designer im Interview
Gute Aussichten: Der neue VW Golf 6

Gute Aussichten: Der neue VW Golf 6

"Andere müssen auffallen, ein Golf nicht"
M. Lichte, Designer des Golf 6

"Andere müssen auffallen, ein Golf nicht"

Marc Lichte, Designer des Golf 6, über seinen Entwurf

VANITY FAIR:
Herr Lichte, auf den ersten Blick sieht der neue Golf kaum anders aus als der alte Golf. Warum die Zurückhaltung?
Marc Lichte:
Zugegeben, wir haben den Radstand des Golf 5 übernommen. Vielleicht wirkt der neue Golf bei schlechtem Licht deshalb ähnlich wie der 5er. Dieser Eindruck wird aber schwinden, wenn das Auto im Straßenbild auftaucht. Formal haben wir beim Golf 6 nämlich ein ganz anderes Thema bearbeitet. Er hat eine weniger starke Keilform und ist viel dreidimensio<discretionary-hyphen>naler als sein Vorgänger. Durch die Kanten in der Karosserie ist er extrem stark modelliert – mehr als jeder andere VW mit Ausnahme des neuen Scirocco. Der Golf 6 wirkt deshalb bei gleicher Höhe viel flacher als sein Vorgänger. Jedes Detail ist im Übrigen neu designt, von der Stoßstange bis zum Außenspiegel.
VF:
Andere Hersteller gehen bei neuen Modellreihen viel weiter.
Marc Lichte:
Der Golf muss das nicht. Er ist so erfolgreich, weil er immer in kleinen Schritten weiterentwickelt wird. Es wäre ein Fehler, bei dem Entwurf eines neuen Golf Grundsätzliches infrage zu stellen.
VF:
Wollten Sie sich im Design des neuen Golf auch absetzen gegen bestimmte Trends im Autodesign?
Marc Lichte:
Absolut. Volkswagen ist nicht modisch. Viele neue Autos zeigen, wie gut der Golf eigentlich ist. Es ist gerade ja ziemlich angesagt, wild zu designen mit Keilformen und Verformungen. Aus Marketingsicht kann ich das verstehen. Manches Auto muss im Markt auffallen. Der Golf allerdings kann gelassen sein. Und genau diese Souveränität wollten wir im Design zum Ausdruck bringen.
VF:
Aber aufzufallen, das ist ja noch kein Fehler.
Marc Lichte:
Nein, natürlich nicht. Das Problem vieler aktueller Autos wird aber sein, dass man sie in ein paar Jahren vermutlich nicht mehr sehen können wird. Ein Golf 4 zum Beispiel wirkt aber heute noch neu. Und auch der Golf 6 wird nicht alt aussehen. Das ist wie mit tollen Möbelstücken, schönen Uhren – Dingen, die dem Bauhaus-prinzip folgen. Wenn die Proportionen stimmen, wird schlichtes Design einfach nie langweilig.
VF:
Sie waren auch am ersten Entwurf des Golf 6 beteiligt, den Walter de’Silva gestoppt hat. Wie sah der aus?
Marc Lichte:
Ich kann nur so viel sagen: Wir haben beide Autos wirklich mit Herzblut gemacht. Sie sind aber völlig unterschiedlich. Von dem ersten Entwurf haben wir gar nichts übernommen. Wir verfolgten damals eine andere Strategie, vor allem, was die Frontpartie anging. Nur so viel: Ein Volkswagen soll die Menschen nicht polarisieren.

Marco Rechenberg / VANITY FAIR - 06. November 2008

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