"Meine ganze Existenz ist ein Kampf gegen die Langeweile": Slash in Aktion

The interview in English

"Slash – Die Autobiografie" erscheint im September 2008 bei Rockbuch, edel entertainment GmbH (24,90 Euro)

"Ein großartiges Statement von Axl"

Slash, Ex-Gitarrist von Guns N' Roses, veröffentlicht seine Memoiren - und spricht mit uns über „Chinese Democracy“ und das Versagen der Musikindustrie

Als abends um zehn Uhr das Telefon in der Redaktion klingelt, ist Slashs Manager dran. Das Interview verschiebt sich. Was zu beweisen war: Die Kunst der Verzögerung ist das Markenzeichen von Guns N' Roses, jener Band aus L.A., die in den 90ern das Größte war, was der Musikzirkus zu bieten hatte. Oft mussten Fans mehrere Stunden lang auf einen Auftritt ihrer Heroen warten. Doch wenige Minuten später klingelt das Telefon erneut. Slash ist dran. Und sofort wird klar: Es weht ein neuer Wind.

VANITYFAIR.DE:
Eine Autobiografie beendet ja immer auch eine bestimmte Phase. Welche war es in Ihrem Fall?
Slash:
Die Ära Guns N' Roses. Ich habe mich oft mit dem Gedanken herumgeplagt, ein Buch zu schreiben, aber es dann doch nie getan. Weil ich eben nicht wollte, dass es so klingt, als ob ich am Ende meiner Kräfte wäre und meinen Ruhestand plane. Aber ich wollte auch mit den ganzen falschen Gerüchten aufräumen, die sich um Guns N’ Roses ranken, und all den Leuten etwas entgegen setzen, die Bücher über uns schreiben, aber keine Ahnung haben, wie es wirklich war.
VF.DE:
Eine Abrechnung ist es nicht geworden...
Slash:
Ja, ich wollte das Buch auf keinen Fall missbrauchen, um meinen Frust los zu werden. Ich wollte ehrlich, aber fair sein. Mir wurde irgendwann klar, dass meine Sichtweise nur eine Sichtweise von vielen ist.
VF.DE:
Stellen wir uns mal vor, man würde den Millionenseller “Appetite for Destruction” heute veröffentlichen. Glauben Sie, dass die Platte dieselbe Wucht entfalten könnte wie damals in den 80ern?
Slash:
Das ist eine verdammt gute Frage. Ich glaube aber, sie würde genauso oder sogar noch mehr einschlagen - inmitten dieses gähnenden Abgrunds, der sich Musikindustrie schimpft. Wenn es jemals den richtigen Zeitpunkt für eine Platte wie „Appetite...“ gäbe, dann jetzt. Deshalb war sie damals in den 80ern auch so populär: Die Jugend hatte plötzlich wieder eine Alternative. Alles um sie herum war kapitalistisch geworden und Guns N’ Roses waren die Antwort darauf, eine Antithese zu den kompletten 80ern. Eine Band wie Guns N’Roses mit all ihren Ängsten und ihrer Gier wäre die Nadel im Arm, die sich jeder ersehnt.

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