Hells Disko-Knigge
Wie kommt man am Türsteher vorbei? Welche Musik läuft auf Ben Beckers Beerdigung? DJ Hell kennt die Antworten – und verrät sie
Wenn einer die Etikette des Nachtlebens kennt, dann DJ Hell. Er ist der Inbegriff der Münchner Clubkultur. Er trägt während seiner DJ-Sets Shirts mit dem Aufdruck „Sex!“ und schlürft Champagner. DJ Hell stünde durchaus ein gewisses Maß an Arroganz zu – immerhin steht sein Name seit 30 Jahren für den Sound of Munich. Immerhin gab es Zeiten, da spielten die Fantastischen Vier in seinem Club für lau. Aber DJ Hell ist nicht arrogant. Dafür hat er gar keine Zeit. Wenn er nicht damit beschäftigt ist, in Sydney oder Tokio aufzulegen oder Sonnenbrillen und Unterhosen zu designen, nimmt er Musik auf. Sein neues Album heißt „Teufelswerk“ und steht voraussichtlich Anfang des Jahres in den Plattenläden.
- VANITYFAIR.de:
- Sie legen auf allen Kontinenten auf. Was hält Sie noch in München?
- DJ Hell:
- Ich bin hier verwurzelt. Meine Zielsetzung war es ursprünglich, vom Land in Münchner Clubs wie das P1 oder das Parkcafe zu kommen. Selbst das schien mir damals eigentlich unerreichbar. Dann durfte ich auf einmal nach Paris reisen. Ich hätte nie für möglich gehalten, als DJ so weit zu kommen. Trotzdem ist München immer noch Heimat, und ich habe hier in den letzten 30 Jahren einen kleinen Beitrag zum Nachtleben geleistet. DJ Hell stand immer für München, ich bin ein Vertreter des Sounds of Munich.
- VANITYFAIR.de:
- Kürzlich ist das Buch „Mjunik Disco“ erschienen, ein Rückblick auf das Münchner Nachtleben der letzten 60 Jahre. Auch Ihre Erinnerungen sind darin enthalten. Was hat sich seit den 80er-Jahren in der Clubszene verändert?
- DJ Hell:
- Ich bin keiner, der sagt: Alles war früher besser. Aber natürlich hat sich einiges verändert. Ich habe die ganze klassische Münchner Schule durchgemacht, angefangen bei den New-Wave- und Punk-Läden bis hin zu den Hip-Hop-Partys, großen etablierten Clubs und den ersten After Hours. Das ging dann alles in große Raves über. Ich selbst hatte auch mal ein Jahr lang einen Club in München, Ende der 80er-Jahre, und zwar zusammen mit Tom Novy. Dort haben Silvester die Fantastischen Vier Silvester performt – sie hatten damals noch nicht mal ihre erste Platte veröffentlicht. Was sich auf jeden Fall verändert hat: Damals war um vier Uhr Schluss. Von vier bis sechs musste man dann die Zeit bis zur After Hour überbrücken.
- VANITYFAIR.de:
- Entsteht Ihrer Meinung nach in der Gegenwart überhaupt noch etwas musikalisch Neues?
- DJ Hell:
- Es gibt heute mehr Veranstalter, mehr Clubs, viel mehr Ausgehmöglichkeiten. Das hat sich im Vergleich zu den 80ern verzehnfacht, auch in München.







