Vladimir Nabokovs Vita, bis heute Stoff für kiloschwere Biografien, beginnt im zaristischen Russland. 1899 als Sohn vermögender Aristokraten in Sankt Petersburg geboren, flieht er vor der Oktoberrevolution und kommt 1922 nach Deutschland.
Berlin mit seinen damals 350 000 russischen Emigranten und 86 russischen Exilverlagen wird für ihn zur Schicksalsstadt, wo er das größte Glück und die schrecklichste Tragödie erlebt. Um sein Schreiben zu finanzieren, gibt der verarmte Adelsspross Nachhilfe in Englisch und Französisch, arbeitet als Tennis- und Boxtrainer und verbringt in seiner kleinen Wohnung in Wilmersdorf manchmal ganze Nächte mit dem Erfinden von Schachaufgaben und Kreuzworträtseln, die er für ein paar Groschen an Zeitungen verkauft.
Im März 1922 wird Nabokovs Vater Vladimir während eines Vortrags in der Berliner Philharmonie von angetrunkenen Exilrussen erschossen, die etwas von Rache für den Zaren, jüdischen Freimaurern und Luzifer brüllen. Der Vater wird auf dem Friedhof in Tegel beigesetzt. 1925 heiratet Vladimir die Jüdin Vera Slonim, 1934 kommt sein einziges Kind Dmitri zur Welt. "Um fünf Uhr früh“, schreibt der damals 35-Jährige, "war ich auf dem Nachhauseweg von der Entbindungsklinik in der Nähe des Bayerischen Platzes.
Frühlingsblumen schmückten die Porträts von Hitler, diesem gestiefelten Idioten mit der Haarsträhne schräg über der Stirn. Er war nur ein Symbol, hinter dem ein gesichtsloser und zeitloser Klumpen des Urentsetzens stand.“






