
Aus der allereigensten Enge Kärntens in die Weite der der Literatur: Büchnerpreisträger Josef Winkler
"Gegen Handke bin ich ein Analpabet"Josef Winkler
Sein Leben
Geboren am 3. März 1953 im Kärntner Dorf Kamering als Sohn eines Bauern. Besuchte die Handelsschule und war Schreibkraft an der Universität Klagenfurt, seit 1979 arbeitet er ausschließlich als Schriftsteller.
Seine Karriere
Das von strengem Katholizismus geprägte Leben im ländlichen Kärnten bildet den Ursprung von Josef Winklers bisher erschienenen 13 Büchern. Er ist Preisträger des Alfred-Döblin-Literaturpreises (2001) des Österreichischen Staatspreises (2008) und des Georg-Büchner-Preises (2008).
Der Menschenfreund aus Kärnten
Josef Winkler ist ein sanfter Mann und hat dennoch viele Feinde. Man nimmt ihm übel, dass er in seinen Romanen immer wieder die Schrecken seiner Heimat beschreibt. VANITY FAIR hat ihn in Klagenfurt besucht, bevor er am 1. November den renommierten Georg-Büchner-Preis erhielt
Am Abend des 16. Juni 2008 spielte Deutschland Fußball gegen Österreich. Sieben oder zehn, vielleicht auch zwanzig Minuten, nachdem der Kommentator „Ballack, Ballack“ gerufen hatte, klingelte bei Josef Winkler das Telefon. „Eine Dame sagte: ,Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt‘. Da ahnte ich, dass ich den Büchner-Preis bekommen sollte. Ich umarmte die fünfjährige Siri und sagte euphorisch: ,Ich bekomme den Büchner-Preis!‘ Und sie sagte: ,Das ist der Himmel.‘“ Der zwölfjährige Kasimir sagte eine Viertelstunde lang gar nichts und implodierte dann in Tränen unter der Tragweite des Moments.
Auf dem Weg von Josef Winklers Wohnung in die Klagenfurter Innenstadt passiert man eine Kreuzung, an der Grablichter flackern. Im Sommer dieses Jahres ist hier ein neunjähriger Junge überfahren worden, der Lorenz hieß und bei grüner Ampel einen Zebrastreifen überqueren wollte. An der Kreuzung wurde heftig gebaut, rechtzeitig zur Fußball-Europameisterschaft sollte Klagenfurt herausgeputzt sein. In der unübersichtlichen Verkehrsführung hatte ein Lkw-Fahrer den Jungen übersehen. „Das war der erste Tote der Europameisterschaft“, sagt Winkler. Über den Jungen hat er seinen Text „Knochenstillleben auf dem Asphalt mit Ovomaltine“ geschrieben geschrieben und mit dessen Vater dafür gesorgt, dass an der Kreuzung ein kleiner Stein mit Namen und Sterbedatum des Jungen aufgestellt wird. „Es gibt für mich keine fremden Kinder“, sagt Winkler, bleibt kurz stehen, um es zu wiederholen, erst dann gehen wir weiter.





