
Aus der allereigensten Enge Kärntens in die Weite der der Literatur: Büchnerpreisträger Josef Winkler
"Gegen Handke bin ich ein Analpabet"Josef Winkler
Sein Leben
Geboren am 3. März 1953 im Kärntner Dorf Kamering als Sohn eines Bauern. Besuchte die Handelsschule und war Schreibkraft an der Universität Klagenfurt, seit 1979 arbeitet er ausschließlich als Schriftsteller.
Seine Karriere
Das von strengem Katholizismus geprägte Leben im ländlichen Kärnten bildet den Ursprung von Josef Winklers bisher erschienenen 13 Büchern. Er ist Preisträger des Alfred-Döblin-Literaturpreises (2001) des Österreichischen Staatspreises (2008) und des Georg-Büchner-Preises (2008).
Aufgewachsen in einem Haus ohne Bücher
Josef Winkler selbst ist wie ein fremdes Kind aufgewachsen, als Sohn des Bauern Enz im Dorf Kamering, etwa 60 Kilometer von Klagenfurt entfernt; sechs Geschwister, von denen er das schwächste war, „zu Tode erschrocken“ von der Welt und in ständiger Angst vor Strafe für die Sünden, an die er auch nur denken würde. Von ihnen sprach man ihm in den katholischen Messen, bei denen er ministrierte, und im Katechismus, den man ihm mitgab, damit er lerne, wie man in den Himmel kommt. Winkler ist in einem Haus ohne Bücher aufgewachsen, in dem die Muttersprache das Schweigen war und die Vatersprache kein gutes Wort für ihn enthielt. In keinem der bislang 13 Bücher des mittlerweile 55-Jährigen bleibt das unerwähnt. Irgendwann zu der Zeit, in die auch seine Entdeckung fiel, dass die goldenen Engel in der Kirche hohle Figuren sind und deshalb schwerlich seine Sünden notieren können, muss in dem Sohn des „Ackermanns aus Kärnten“, wie sein zweites Buch aus dem Jahr 1980 heißt, ein Magnet angeworfen worden sein, der Tod und Verderben, Irrsinn und Schmerz ebenso sehr wie leuchtende Farben und pulsende Körper anzieht.
Winkler ist weit gefahren zum Schreiben, ins indische Varanasi, ins japanische Roppongi oder etwas weniger weit nach Rom, und er umkreiste dabei in seinen Büchern immer enger, welche elenden Gemeinheiten man dem schwächsten Kind des Bauers Enz angetan hat. Jetzt möchten ihn die Dörfler dafür umbringen, dass er so frei war, sich aus dem Dorf hinauszuschreiben; zumindest auf seinen Körper einschlagen möchten sie, obwohl der dünn ist und wie ein Fragezeichen durch die Welt geht. Winkler fährt trotzdem immer wieder nach Kamering, seine Mutter und seine Schwester leben noch auf dem alten Hof der Familie. Er fährt nicht allein, seine Familie kommt mit und ein Pfefferspray, das er auch einsteckt, wenn er allein durch die Auen geht. Was ist das für ein Land, in dem man für sein Schreiben solche Feinde haben kann?





