Tim Mohr widmet sich der Übersetzung von

Tim Mohr widmet sich der Übersetzung von "Feuchtgebiete"

Knietief im Glitschischleim

Der Übersetzer Tim Mohr über die Mühen mit der englischen Fassung von „Feuchtgebiete“

Der New Yorker Journalist Tim Mohr (39) soll dafür sorgen, dass Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ auch auf Englisch zum Bestseller wird: Unter dem Titel „Wetlands“ soll seine Übersetzung im Februar 2009 in Großbritannien, im April dann auch in Amerika erscheinen.

VANITY FAIR:
Herr Mohr, wie kamen Sie dazu, „Feuchtgebiete“ zu übersetzen?
Tom Mohr:
Ich wies den Herausgeber darauf hin, dass nicht so viele englische Übersetzer den Unterschied zwischen „Muschi“ und „Möse“ kennen. Ich bot mich an, weil meine Deutschkenntnisse aus den 90ern stammen, als ich in Berlin als DJ arbeitete. Begriffe wie „Analverkehr“ lernt man da lange vor „Geschlechterforschung“.
VF:
Wie gehen Sie bei den vielen sprachlichen Eigenschöpfungen Charlotte Roches vor, etwa bei „Kackeschwitze“ und „Glitschischleim“?
T.M:
Vorschläge von Freunden und Bekannten sind willkommen. Ich würde auch Fremde fragen, habe aber zu viel Angst davor, eine gelangt zu bekommen, wenn ich das Gespräch mit solchen Fragen eröffne.
VF:
Auf welcher Seite sind Sie?
T.M:
134. Es läuft gut. Die Sprache von „Feuchtgebiete“ ist nicht so dicht wie bei meiner letzten Übersetzung, Dorothea Dieckmanns Roman „Guantanamo“. Das war körperlich erschöpfend. Roches Stil ist umgangssprachlicher, ich kann schneller und länger daran arbeiten, meist nachts und am Wochenende.
VF:
Mögen Sie die Heldin Helen Memel?
T.M:
Ich kann mir vorstellen, mit ihr befreundet zu sein.
VF:
Ihre Lieblingsstelle?
T.M:
Ich weiß nicht, wie die Stellung heißt, aber diese Sex-mit-dem-Pfleger-Szene finde ich sehr schön, wo sie rücklings auf ihm sitzt und sich zurücklehnt, bis ihr Rücken seinen Bauch berührt.
VF:
In Deutschland verkaufte sich das Buch mehr als 500 000-mal und löste erregte Debatten aus. Was erwarten Sie für die Vereinigten Staaten?
T.M:
Die Tatsache, dass das Buch in Deutschland, das ja ein im Vergleich zu den Staaten eher sexuell freizügiges Land ist, so einen Aufruhr verursachen konnte, wird es dort zu einem großen Thema machen.
VF:
Hat „Feuchtgebiete“ Ihre hygienischen und sexuellen Gewohnheiten verändert?
T.M:
Ich war nie ein Bakterienphobiker, finde aber, dass regelmäßiges Waschen nicht schadet.

Marc Fischer / Vanity Fair - 25. August 2008

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