Im Frankfurter Zoo: hinten ein geknechtetes Tier, vor dem Käfig ein Revolutionär

Im Frankfurter Zoo: hinten ein geknechtetes Tier, vor dem Käfig ein Revolutionär

"Die Abschaffung der Arten" von Dietmar Dath (Suhrkamp Verlag, 24,80 Euro)

Im Affenhaus, bei unseren rothaarigen Brüdern und Schwestern

VF:
Wie reagierten Sie als Tierfreund auf die Nachricht neulich, in Kambodscha gebe es Orang-Utan-Puffs, die von Menschen frequentiert werden?
Dietmar Dath:
Mit Schrecken und Entsetzen.
VF:
Warum will ein Mensch käuflichen Sex mit einem Affen, Ihrer Meinung nach?
Dietmar Dath:
Schwer zu sagen. Ich weiß nur: Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage beim Sex ist das größte ungelöste Rätsel der Menschheit. Als ich für mein Buch „Die salzweißen Augen“ mal in der Pornoindustrie recherchierte, fiel mir auf, dass die Filmfirmen ihre höchsten Umsätze immer dann machen, wenn die Chefs, also die Pornostars selbst, am begeistertsten mittun. Wenn nicht, brechen Qualität und Absätze ein.
VF:
Begeisterung, selbst die für Sex mit Orang-Utans, steckt also an und schreibt sich fort wie ein Virus?
Dietmar Dath:
Ja. Vielleicht sollten wir schnell gehen.
VF:
In Ihrem Buch kommunizieren die Tiere über große Distanzen mittels Duftstoffen und Quantenphysik. Geht das überhaupt?
Dietmar Dath:
Zum Teil schon: Biene und Blume tauschen ja auch mithilfe von Duftstoffen Informationen über die Artengrenzen hinaus aus. Mittlerweile gibt’s für Männer auch Haargel mit Pheromonen, die Frauen anlocken sollen. Weil’s im Roman schneller gehen musste, holte ich mir noch ein paar Eigenschaften aus der Quantenwelt dazu: Tunnelungen, Dopplungen et cetera.
VF:
Was ist das auf einmal für ein schreckliches Gegrunze?
Dietmar Dath:
Das sind die Bonobo-Affen. Die sind sehr laut beim Sex. Würden sich auch gut für einen Puff eignen.
VF:
Nein. Da würden sich die Anwohner beschweren. Wenn man genug Leuten auf die Nerven geht, passiert auch was.
Dietmar Dath:
Da haben Sie recht. Das erklärt den Verlauf der Menschheit besser als der halbe Lenin.
VF:
Sind Sie sonst Puffgänger?
Dietmar Dath:
Sex gibt’s bei Kommunisten nur mit Liebe.
VF:
Weil’s romantischer ist?
Dietmar Dath:
Weil’s billiger ist.
VF:
Das sind doch gute Neuigkeiten.

Ein Raunzen, ein Graunzen, ein Schmaunzen dröhnt nun über das sonnenbeschienene Gelände. In den vielen Kinderwagen, geschoben von glücklichen Paaren, zuckt es kurz vor Angst; sie kennen dieses Geräusch ja nicht, das Geräusch des Königs, der jetzt vor unseren Augen erscheint: liegend natürlich, gähnend natürlich, hochherrschaftlich natürlich. Und offensichtlich frisch frisiert, mit Kurzhaarmähne, die ihm gut steht.

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