Ralf Königs Knollennasen-Männchen sind von der rheinischen Schwulenszene in den Garten Eden umgezogen

Ralf Königs Knollennasen-Männchen sind von der rheinischen Schwulenszene in den Garten Eden umgezogen

"Dass es den Nikolaus gibt löste bei mir ein Trauma aus"
Ralf König
VF:
Sie haben einmal gesagt, Sie wüssten nicht, warum zu Ihren Lesungen so viele Frauen kommen. Haben Sie inzwischen eine Idee?
Ralf König:
Darüber habe ich mich wirklich lange gewundert, weil ich ja anfangs für Schwule gezeichnet habe. Und dann waren bei den Signierstunden für den „Bewegten Mann“ zwei Drittel der Besucher plötzlich Frauen. Ich glaube, die hatten einfach nur Spaß daran, dass sie bei mir lesen konnten, wie Männer wären, wenn sie könnten, wie sie wollten – also wie Sexualität geregelt wäre, gäbe es da nicht das andere Geschlecht und den Geschlechterkrieg. Da ist einiges einfacher und wohl auch lustiger.
VF:
Kommen zu Ihren Lesungen auch heterosexuelle Männer?
Ralf König:
Außer bei Comicfestivals sind sie ein wenig unterrepräsentiert. Im Buchladen stehen sie meistens verdruckst rum, schieben irgendwann cool den Band rüber und sagen: „Schreib mal rein: ,für Ulrike‘.“
VF:
Vermissen Sie manchmal Kinder?
Ralf König:
Nein, warum sollte ich?
VF:
Warum nicht?
Ralf König:
Das passt nicht zu meinem Leben. Allerdings hatte ich öfter Leidenschaften für Männer, die ein wenig unreif waren, Macho und Kind in einem. Da entwickelte ich Vatergefühle, meinte, mich kümmern zu müssen – ich bin aber immer arg gerupft aus diesen Geschichten herausgekommen. Also lieber keine Kinder, auch keine behaarten.
VF:
Haben Sie immer Comics gezeichnet?
Ralf König:
Ja, meine Mutter hat noch ein ganzes Paket voll mit Bildern und Geschichten, die für ein Kind ganz schön frivol sind. Ich war damals von griechisch-römischer Mythologie begeistert und zeichnete nackte Götter, die in den Wolken Erstaunliches treiben.
VF:
In Ihrem neuen Buch „Prototyp“ schildern Sie die Probleme des ersten Menschen im Garten Eden und wälzen die ganz großen philosophischen Fragen. Befürchten Sie nicht, damit Leser zu verlieren, die von Ihnen etwas über den Schwulen von nebenan erzählt bekommen wollen?
Ralf König:
Mag sein, aber vielleicht erreiche ich dadurch auch neue Leser. Das Thema Religion beschäftigt mich sehr. Kaum schaltet man den Fernseher an, debattieren Leute über Gott. Ich war schon als Kind antireligiös und dachte immer: Was erzählen die mir da eigentlich? Aber heute, durch die Auseinandersetzung mit dem Islam, hat das Thema viel mehr Dramatik.

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