Doch so sehr die jungen Feministinnen auf eine Konfrontation mit den Männern sowie auf Forderungen nach einer gerechteren Familienpolitik verzichten, so gerne schießen sie gegen eine: Alice Schwarzer. Mit ihrer misstrauischen Art gegenüber dem männlichen Geschlecht wird Deutschlands bekannteste Feministin zur perfekten Zielscheibe. Seht ihr, wir sind anders als sie, sagen sie. Jünger, lebensfroher, schöner – und vor allem nicht ganz so verbissen. Und obwohl sie Alice Schwarzer durchaus ein bisschen dankbar für das sind, was sie geleistet hat, profilieren sie sich am liebsten auf ihre Kosten.

Die "Neuen deutschen Mädchen" etwa bemerken in ihrem Buch zynisch: "Wenn ich ehrlich bin, kommt es mir manchmal so vor, als sei der Feminismus von Alice Schwarzer zu einem Charityprojekt geworden. Mit einer Medienkampagne fordert sie ein gesetzliches Verbot von Pornographie. Sie macht Werbung für 'Bild', auf deren Internetseite man für 9,95 Euro sieben Tage lang vierhundert Livecams, unter anderem der Hot Girl 1 Cam, Hot Girl 2 Cam und der Lesbo Show Cam, und sich Filme mit dem Titel 'Charlize verlangt nach härteren Strafen' herunterladen kann." Wie Charlotte Roche wollen die Autorinnen Alice Schwarzer das Feld nicht alleine überlassen. "Sie wird dem Menschen in der Frau nicht mehr gerecht", sagte Roche in einem Interview mit dem "Spiegel". "Ich finde es schrecklich, dass es für so etwas Wichtiges wie den Feminismus nur diese Frau gibt."

Das ist es also, was die jungen Damen wollen: Sie wünschen sich mehr Aufmerksamkeit, sie wollen den Medienrummel, und sie wollen sich profilieren. Doch Alice Schwarzer wird das Feld nicht so schnell räumen, hat sie doch erst neulich "Emma"-Chefredakteurin Lisa Ortgies mit Pauken und Trompeten gefeuert, um sich demonstrativ ihren Posten als Blattmacherin zurückzuholen.

Die jungen Vertreterinnen des Feminismus wissen sich denoch auf ihre Art ins Gespräch bringen: Sie sind mutig genug, ein bisschen zickig gegenüber der früheren Generation zu sein. Sie sind betont lässig im Umgang mit den Männern. Und sie würzen ihre Thesen mit einer ordentlichen Brise Sex. Lösungen für strukturelle Ungleichheiten zwischen Mann und Frau, etwa im Job, bleiben in ihrem Feminismus auf der Strecke. Überhaupt mag der Spagat zwischen einer glücklichen Libido und einem erfüllten Berufsleben einfach nicht gelingen. Bleibt nur noch die Flucht ins Private (oder in die Welt der Bücher), um seine Weiblichkeit auszuleben.

Typisch Frauen, denkt sich der Mann angesichts von so viel Gefühlsdusselei. Jede für sich genommen mögen die Autorinnen ja starke Frauen sein. Aber mit ihrem soften Feminismus machen Charlotte Roche oder Jana Hensel den Herren der Schöpfung den Rang nicht streitig. Hat doch keine nötig, wo doch sowieso alle emanzipiert genug sind, oder? Überhaupt, wären alle Frauen so harmlos wie der neue Feminismus, wäre das Leben für die Männer ganz schön einfach: Pornofilme würden künftig über Public Viewing gezeigt statt nur im stillen Kämmerchen. Karrieregeile Weiber würden besser von vornherein gemobbt. Und im Bett würde ein Orgasmus den nächsten jagen. Auf beiden Seiten. Wenn das mal keine Klischées sind.

ah - 30. Juni 2008

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