Beim Wellnessen und Vögeln belassen es die jungen Autorinnen zwar nicht gänzlich. Dafür wäre ihr Ziel, das neue Selbstverständnis der Frau zu definieren, zu ambitioniert. Allerdings scheinen sie sich die Realität ein wenig schönzureden. Frauen hätten ja immerhin die Freiheit, zwischen Kindern und Karriere zu entscheiden. Darüber, wie sich beides vereinbaren lässt, sprechen sie nicht. Stattdessen fliehen sie in einen Zweckoptimismus, der dem Leser spanisch vorkommt: Erfolg im Beruf schön und gut, aber Karriere ist nicht alles im Leben, sagen sie. Früher bei Alice Schwarzer sei das noch anders gewesen, da habe die Frau sich ihren Job erkämpfen müssen, die Karriere stand für die Unabhängigkeit der Frau. Heute jedoch müssten sich die Frauen nicht mehr dem Leistungsdruck der Gesellschaft beugen. Denn emanzipiert seien sie ohnehin schon.

So wie sie die Realität beschreiben, ist das Ringen mit den Männern um die Macht offenbar längst nicht mehr das Ziel der Frauenbewegung. Im Gegenteil, die "Neuen Deutschen Mädchen" lehnen sich mit ihren 30 Jahren zurück und stellen fest: "Für Elisabeth und mich und andere Frauen in unserem Alter ist die Gleichheit der Geschlechter nicht mehr ein fernes, in der Zukunft zu erreichendes Ziel", schreibt Hensel. "Das ist ein großer Unterschied (zu Alice Schwarzer, Red.). Er reißt einen Graben auf zwischen den Vorkämpferinnen des Feminismus und uns, die wir nichts als eine selbstverständliche Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen wollen und zu leben versuchen (...). Längst ist es die Normalität, die zu unserer größten Sehnsucht geworden ist."

Normal sein wollen sie. Frauen und Männer sollen per se gleich behandelt werden. Ohne politische Diskussionen, und ohne den Mann oder die Frau verbiegen zu wollen. Wie aber erklären die Autorinnen, dass Frauen in Deutschland noch immer schlechter bezahlt werden als Männer? Die Zahlen, die die EU-Kommission jüngst veröffentlichte, sind erschreckend: Der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen liegt um rund 22 Prozent unter dem der Männer. Damit gehöre Deutschland zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen, kommentierte EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla das Ergebnis in der "Welt". Für Deutschland, aber auch für andere EU-Länder forderte er die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und dass mehr Frauen eine Führungsposition bekämen.

Warum nur finden sich Forderungen wie die des EU-Sozialkommissars oder der Grünen im Bundestag nicht im Pamphlet der jungen Autorinnen? Weil der neue Feminismus dann nicht mehr sophisticated genug wäre? Weil er dadurch "ironiefrei und unsexy" daherkäme, um die "Alphamädchen" beim Wort zu nehmen?

Vielleicht ist der Unterschied zwischen Alice Schwarzer und der aufstrebenden, jungen Liga auch, dass Schwarzer bis ans Ende ihrer Karriere für dieselben Ziele kämpft, während ihre Nachfolgerinnen sich mit ihrer Lebenswelt zu arrangieren versuchen. Zum Beispiel mit der Tatsache, dass Männer machtorientierter sind als Frauen und sich besser verkaufen, obwohl sie womöglich weniger können. Und dass Frausein mit diesem Wissen viel mehr Spaß macht, als die frühere Generation annimmt. Warum sonst kämen Hensel und Raether auf den Gedanken, dass Frauen im Streit um den besser bezahlten Job besser klein beigäben und sich damit wesentlich besser fühlten. Über Frauen, die lieber zu Hause bleiben statt ins Büro zu gehen, schreiben sie – und es hört sich so an, als solidarisierten sie sich mit dieser Spezies: "Sie resignieren vor der Wirklichkeit, vor der Arbeitswelt, wie sie sich ihnen im Moment darstellt. Vielleicht weil sie eher bemerken, dass eine erfolgreiche Karriere nicht unbedingt voraussetzt, die Klügste, Beste und Fleißigste zu sein; dass es selten um einen fairen Wettkampf geht; sondern dass es darauf ankommt, sich in Machtspielchen zu behaupten. Und dass sie darauf keine Lust haben."

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