Aber vermutlich nicht nur die Tatsache, dass besonders junge Frauen ihr (Sex-)Leben auf der Zunge tragen, hat Roches "Feuchtgebiete" zum Beststeller gemacht. Vielmehr brachte die 30-jährige Ex-VIVA-Moderatorin ihr Buch in die Schlagzeilen mit der Behauptung, Pornografie sei wichtig – sie selbst schaue manchmal Pornos, um zu entspannen. Kein Wunder, dass sich Alice Schwarzer auf den Schlips getreten fühlte. Sie hält Pornos für einen Ausdruck sexueller Erniedrigung der Frau.
Die "Alphamädchen" wollen von Vorurteilen wie diesen nichts wissen. "Gute Pornografie kann durchaus Spaß machen und sogar inspirieren", schlagen sie sich auf Roches Seite und bewerben damit einmal mehr ihren "Feminismus der Leichtigkeit", wie sie ihn nennen. Auch Jana Hensel und Elisabeth Raether pflichten Roche bei. In "Neue deutsche Mädchen" kritisieren sie Alice Schwarzers These, Prostitution sei die Quelle der Ungleichheit zwischen Mann und Frau. Diese Sichtweise sei veraltet, junge Frauen tobten sich heutzutage sexuell ebenso aus wie Männer. Insofern sei auch die Forderung nach sexueller Gleichheit überkommen.
Grotesk, dass die "Neuen deutschen Mädchen" trotzdem in alte Rollenmuster zurückfallen. Die "Sex And The City"-Generation der 90er-Jahre habe sich selbst geschadet, weil sie die Gefühle beim Sex abzustellen versuchte. Dies jedoch sei Selbstbetrug, sagen sie und zeigen mit dem Finger auf Serienheldin Samantha Jones. "Du ziehst los und hast Sex wie ein Mann", zitieren sie die Sexbombe aus "Sex And The City, "ich meine, ohne Gefühle."
Gar nicht clever schließen sie aus der Erkenntnis, dass sich die Frau in Liebesdingen besser treu bleiben sollten, eins zu eins auf das Berufsleben: Für eine steile Karriere würden Frauen einen hohen Preis bezahlen, so der Gedanke. Denn sie müssten alles, was als weiblich gilt, ihrem Job opfern. Typisch frauliche Eigenschaften wie "Nachsichtigkeit", "Verletzlichkeit" und "Sensibilität" blieben auf der Strecke. Stattdessen schielten die Betroffenen den Männern gleich nach dem Erfolg – was sie am Ende aber auch nicht glücklich machte.
Aussagen wie diese klingen alles andere als fortschrittlich. Warum nur entfernen sich die neuen Feministen vom Ideal der Gleichberechtigung, statt sich diesem Ziel zu nähern? Die "Alphamädchen" bringen das Dilemma, in dem die jungen Feministinnen alle miteinander stecken, auf den Punkt: "Viele halten Feministinnen für hässlich, spaß- und männerfeindlich, ironiefrei und unsexy. Das alles wollen wir uns natürlich nicht nachsagen lassen, und deswegen streiten die meisten von uns lieber ab, irgendetwas mit 'den Emanzen' zu tun zu haben", sagen sie. Dabei sei Feminismus einer Definition der "Encyclopedia Britannica" zufolge lediglich "der Glaube an die soziale, ökonomische und politische Gleichheit der Geschlechter". Doch was, wenn es bei dem Glauben bleibt? Was, wenn Alice Schwarzer Recht hatte, als sie in einer Rede die "Alphamädchen" und andere Autorinnen als "späte Mädchen und Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus" über einen Kamm scherte?







