So ein Gasfeld erlischt ganz plötzlichAndreas Eschbach
- VANITYFAIR.DE
- Aber in Alaska sollen noch reichlich Ölvorkommen sein, auch unter der Arktis.
- Andreas Eschbach
- Es gibt natürlich noch Öl, es wird auch noch lange Öl geben, aber in absehbarer Zeit kriegen wir kein billiges Öl mehr. Das Ende des Ölzeitalters ist nicht erst dann gekommen, wenn nichts mehr da ist, sondern wenn in die Förderung mehr Energie gesteckt werden muss, als man durch das Öl gewinnt.
- VANITYFAIR.DE
- Das bedeutet: Öl ist dann de facto keine Energiequelle mehr.
- Andreas Eschbach
- Noch in den 60er Jahren war die Rate zwischen 30 und 40. Das heißt, für eine Kilowattstunde aufgewendete Energie haben sie 30, 40 Kilowattstunden gewonnen. Heute liegt die Rate bei dicht unter zwei. Es steuert also unweigerlich auf den Punkt hin, wo es nicht mehr funktioniert – wo Öl aufhört, eine Energiequelle zu sein. Man kann dann immer noch viel machen mit Öl, aber man wird keine Autos oder Flugzeuge mehr damit antreiben.
- VANITYFAIR.DE
- Wann wird dieser Tag Ihrer Meinung nach erreicht sein?
- Andreas Eschbach
- Wir werden ihn noch erleben.
- VANITYFAIR.DE
- Und was können wir tun?
- Andreas Eschbach
- Nun, Sie können sparen, so viel sie wollen, irgendwann wird das Öl aus sein. Ob in 20, 30 Jahren oder, bei extrem sparsamer Nutzung, vielleicht auch erst in 200 Jahren. Die einzige Möglichkeit, dies zu verhindern, ist – es nicht mehr zu benutzen. Ich habe in "Ausgebrannt" natürlich die denkbar härteste Landung gewählt. Es liegt an uns, ob das Ganze ein Anpassungsprozess wird oder ob es zu einem bösen Erwachen kommt. Leider deutet viel auf Letzteres hin.
- VANITYFAIR.DE
- Die meisten Menschen nehmen an, dass Plan B längst in der Schublade liegt.
- Andreas Eschbach
- Davon wüsste man.
- VANITYFAIR.DE
- In Deutschland immerhin kann auf Öl – zumindest bei der Energieerzeugung – bereits so gut wie verzichtet werden.
- Andreas Eschbach
- Eine umso größere Rolle spielen Gas und Atomkraft. Doch auch die Reserven an Gas werden noch zu unseren Lebzeiten zur Neige gehen, und überdies viel fieser als das Öl. So ein Gasfeld erlischt wirklich von einem Tag auf den anderen. Und für die Atomkraft – alle Gefahren mal außer Acht gelassen – brauchen Sie Uran, und auch das ist nur in begrenzten Mengen verfügbar.
- VANITYFAIR.DE
- Sie haben keine Idee, wie es nach dem Öl weitergehen könnte? In "Ausgebrannt" gibt es am Ende ja eine Lösung.
- Andreas Eschbach
- Das Prinzip ist: das Benzin zu ersetzen durch Alkohol. Das würde gut funktionieren und wäre zudem wesentlich umweltfreundlicher. Das Problem ist, dass Sie Alkohol durch Destillation gewinnen – und die Destillation fordert mehr Energie, als der Alkohol nachher liefert. Die Anlage im Roman filtert den Alkohol direkt aus dem Sud, in dem er sich bildet – mittels einer Folie, die nur Alkohol durchlässt und sonst nichts. Das ist theoretisch denkbar, praktisch herrscht aber noch erheblicher Erfindungsbedarf.
- VANITYFAIR.DE
- Was wäre denn eher machbar, worauf sollte sich die Forschung stürzen?
- Andreas Eschbach
- Auf das Offensichtliche. Es gibt ja Energie, mehr als genug. Mit Mühe und Not kommt die Menschheit jährlich auf einen Energieverbrauch von 15 Terrawatt. Das ist nichts, verglichen mit den 180.000 Terrawatt, die von der Sonne auf die Erde strahlen. Da reicht im Prinzip ein Stück Wüste, um den Energiehaushalt der ganzen Zivilisation einzufangen. Man muss sich da halt was einfallen lassen, wie man es speichert, weiterleitet, umwandelt.
- VANITYFAIR.DE
- Warum macht man das nicht?
- Andreas Eschbach
- Die Länder, die Wüste haben, sind politisch nicht sehr zuverlässig; denen möchte man die Zukunft der Menschheit doch eher ungern überlassen. Man wäre, ähnlich oder sogar noch mehr als beim Öl, wieder abhängig von Regionen mit instabilen Verhältnissen.






