Andreas Eschbach beschreibt in seinem Buch wie die Weltwirtschaft kollabiert

Andreas Eschbach beschreibt in seinem Buch wie die Weltwirtschaft kollabiert

Die Politiker rechnen sich die Reserven schön
Andreas Eschbach

"Alternative? Aussterben!"

In seinem Roman "Ausgebrannt" beschwor der Autor das Ende des Ölzeitalters. Nun fürchtet Andreas Eschbach: Die Fiktion wird Wirklichkeit

Tankstellen rationieren die Abgabe, Flugzeuge bleiben am Boden und Wohnungen kalt – die Weltwirtschaft kollabiert, der ganze Planet gerät aus den Fugen: So beschreibt Andreas Eschbach in seinem Roman "Ausgebrannt" das jähe Versiegen des Öls und landete damit im vergangenen Jahr einen Bestseller. Ein Science-Fiction-Szenario, gewiss – im Verlauf seiner Recherchen wurde dem Autor jedoch klar, dass es schneller Realität werden könnte, als uns allen lieb ist: "Die Entwick­lung verlief so rasant, dass ich dachte, ich werde nicht rechtzeitig fertig, das alles passiert ja schon." Zwar sei der Crash noch zu verhindern. Aber nicht mehr lange.

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Herr Eschbach, als Sie "Aus­gebrannt" schrieben, kostete ein Barrel Öl
40 Dollar, was als übertrieben hoch beklagt wurde. Inzwischen sind wir bei 100 Dollar.
Andreas Eschbach
Das ist erst mal gut, denn es motiviert die Leute, das ohnehin einzig Angemessene zu tun – möglichst auf Öl zu verzichten.
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Glauben Sie? Im Roman gestehen Sie den Menschen nicht so viel Vernunft zu. Schon der inzwischen viel zitierte erste Satz lautet: "Selbst mit dem letzten Tropfen Benzin kann man noch beschleunigen."
Andreas Eschbach
Ich gebe zu, dass ich den Satz aus einem anderen Buch adaptiert habe, auf das ich während meiner Recherchen stieß. Aber mit genau diesem Satz stand im Grunde der ganze Roman fest: Die Tankuhr ist kaputt oder zeigt Fantasiewerte an – und plötzlich schlittert man ins Unheil. So wie die ganze Menschheit ins Unheil schlittert, wenn sie weiterhin darauf vertraut, dass die Mineralölindustrie schon alles im Griff hat und es noch sehr lange Benzin, Kerosin und Heizöl geben wird.
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Wie sieht es wirklich aus?
Andreas Eschbach
Der Ölpreis wird weiter steigen. Und es gibt weit weniger Ölreserven als angenommen.
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Worauf stützen Sie diese Thesen?
Andreas Eschbach
Gerade geht der Preis ja wieder leicht runter, weil die Ölfirmen an irgendeinem Schräubchen drehen, und es fließt ein biss­chen besser. Die dringenden Investi­tionen in Raffinerien aber werden auf­geschoben, und man fragt sich: Warum? Braucht man die vielen Raffinerien gar nicht mehr? Man hatte auch Ölfelder aufgegeben, weil sie unrentabel schienen, die werden jetzt wieder angebohrt – aus purer Verzweiflung, wenn Sie mich fragen. Denn: Die Fördermenge nimmt ab, und seit 30 Jahren ist kein großes Ölfeld mehr entdeckt worden. Und trotz sämtlicher Anstrengungen – selbst der amerikanische Energie­konzern Chevron sagt, für drei Barrel, die wir verbrauchen, finden wir nur einen Barrel neues Öl. Das ist eine Sinkrate von über 60 Prozent.
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Die Fördermenge nimmt ab – das heißt, der sogenannte Peak Oil ist erreicht?
Andreas Eschbach
Ja, vermutlich schon seit zwei, drei Jahren. Auf Deutsch: Die Hälfte allen auf der Erde vorhandenen Öls ist verbraucht. Und die zweite Hälfte wird um einiges rascher abgefunzelt werden als die erste.
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Die Katastrophe in "Ausgebrannt" wird allein dadurch ausgelöst, dass Ghawar, das größte Ölfeld in Saudi-Arabien, kollabiert. Könnte das nicht aufgefangen werden?
Andreas Eschbach
Da dürfen wir uns nichts vormachen: In Arabien liegen 50 Prozent allen Öls. Die Welt, wie wir sie kennen, wird von den arabischen Feldern am Laufen gehalten.
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Wie realitätsnah ist denn Ihr Katastrophenszenario?
Andreas Eschbach
Das waren noch Zeiten, als man einem Autor Fantasie unterstellt hat – heute muss alles immer Recherche sein … Richtig ist, dass Saudi-Arabien seine Fördermengen nur durch lang anhalten­de Überproduktion erzielt. Und dass diese Überproduktion unter anderem bedeu­tet, dass gewaltige Mengen von Meerwasser in die Ölfelder gepresst werden, damit der Druck aufrechterhalten wird. Das ist nicht unriskant. Die Saudis mussten trotzdem eingestehen, dass die Förderung auf Ghawar um acht Prozent abgenommen hat und die zugesagten Fördermengeerhöhungen nicht eingehalten werden.
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Ansonsten hat Saudi-Arabien aber noch immense Reserven.
Andreas Eschbach
Die weist es aus – aber hat es sie auch? Die von der OPEC jedem Land zugestandene Fördermenge richtet sich nach den Reserven, die es noch besitzt. Da liegt es in der menschlichen Natur, und in der von Politikern sowieso, dass sich ein Land die Reserven schönrechnet, um mehr Öl verkaufen zu dürfen. Das ist, den Be­obachtungen unabhängiger Institute
zu­folge, eine gängige Praxis. Zahlreiche die­ser Reserven existieren vermutlich überhaupt nicht.
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Vermutlich?
Andreas Eschbach
Das sieht sogar der britisch-niederländische Ölriese Shell realistisch und korri­gierte die Angaben über die eigenen Reserven schon im Jahr 2004 um 20 Prozent nach unten.

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