Bewegte Ziele
Die renommierten World Press Photo Awards wurden auch in diesem Jahr vor allem für Bilder von Kriegen und Katastrophen vergeben. Der Hauptpreis aber ging an den Amerikaner Anthony Suau für seinen Schnappschuss vom Auftakt der Weltwirtschaftskrise
Der Mann, der sich durch die Trümmer vorarbeitet, duckt sich hinter seiner Waffe, bereit abzudrücken. Aber dies ist kein Guerillakrieg. Der Polizist sucht das zwangsgeräumte Haus in Cleveland/Ohio nach versteckten Bewohnern ab. Die Krise als Nahkampf – eine Hundertstelsekunde porträtiert eine Ära. Nur besondere Fotos können das. Das Bild von Anthony Suau wurde zum besten des Jahres 2008 gewählt.
„Es ist, als ob der Krieg im klassischen Sinne in die Häuser von Menschen kommt, die ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen können“, so begründete MaryAnne Golon die Entscheidung der Jury der niederländischen Stiftung World Press Photo. Bisher gewannen meist Kriegsbilder den Oscar der Pressefotografie, und auch 2008 zeigen die in zehn weiteren Kategorien prämierten Aufnahmen eine unruhige Welt: Russlands Einmarsch in Georgien etwa oder den Bürgerkrieg in Kenia. Chinas neue Macht schlägt sich mit sieben Auszeichnungen auch in diesem Wettbewerb nieder, prämiert wurden Bilder von den Olympischen Spiele und vom Erdbeben in Sichuan.
Mit einer Naturkatastrophe verglich der Siegerfotograf Suau die Szenerie in Cleveland im März 2008 während der Immobilienkrise: Die Stadt habe ausgesehen wie nach einem Hurrikan. „Ich bekam einen Schock“, sagte er einem Fotofachmagazin. „In jeder Straße waren Häuser verrammelt.“ Dass sich daraus eine weltweite Wirtschaftskrise entwickeln würde, war damals nicht absehbar. Doch nun gehen auch dem Preisträger die Aufträge aus. „Vielleicht muss ich mir noch einen zweiten Job suchen“, sagt er. Denn vor Kurzem hat er für sich und seine Familie ein Haus gekauft.






