Jill Freedmans Bilder sind eine Zeitreise ind das New York der 70er-Jahre

Jill Freedmans Bilder sind eine Zeitreise ind das New York der 70er-Jahre

Das andere New York

Mit ungeschöntem Blick hat die Fotografin die Schattenseiten hinter der Fassade der Weltstadt dokumentiert

Gewalt und Prostitution bestimmten New York während der 70er-Jahre – Jill Freedmans Bilder sind eine kleine Zeitreise zurück in jene Zeit: Die Straßen der Weltstadt wie leergefegt, Junkies lungern in Hauseingängen, Taschendiebe schleichen durch Häuserschluchten. Damals traute sich kaum ein Tourist an den Times Square im Herzen Manhattans. "Es war toll, als die Stadt auseinander zu fallen schien", sagt Jill Freedman über die damalige Zeit gegenüber der "New York Times". "Ich habe es geliebt, mir meine Kamera zu schnappen und auf die Straße zu gehen."

Mitte der 60er-Jahre hat sich die Werbetexterin das Fotografieren selbst beigebracht. Mit markanten Schwarz-Weiß-Aufnahmen portraitiert sie New York und dessen Bewohner zwischen Armut und Chaos. "Es gibt Tage, an denen ich die Straße entlang laufe und die Hässlichkeit wie einen Sonnenbrand auf meiner Haut spüre", schrieb die Fotografin damals. "An anderen Tagen komme ich kaum zu Atem, weil die Stadt so schön ist."

Die Kritiker lieben ihre ungekünstelten Bilder New Yorks. Eine ruhmreiche Karriere bleibt ihr dennoch verwährt. "Ihre Arbeit hat eine Menge Leute beeinflusst", sagte Andy Grundberg der "New York Times", er ist Professor für Fotografie am Corcoran College für Kunst und Design in Washington, "aber ihr Stil kam aus der Mode."

Erst vor fünf Jahren kehrte sie zurück

Dennoch, Freedman veröffentlichte insgesamt sieben Bücher, unter anderem "Firehouse", "Circus Days" und "Street Cops". 1968 verbringt sie einige Wochen in einer Kommune, die unter dem Namen Resurrection City bekannt wird. Sechs Fotografien der Proteste der Gemeinschaft werden im "Life Magazine" veröffentlicht. Jill Freedman begleitet einen Zirkus, Feuerwehrmänner und Polizisten im Einsatz bevor sie sich auf die dekadente Kunstszene rund um Andy Warhol und das Studio 54 konzentriert. Ein Teil ihrer Bilder ist im Besitz des Museum of Modern Art, des Smithsonian American Art Museum und des International Center of Photography.

Ende der 80er-Jahre wird bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Die Fotografin hat weder eine Krankenversicherung noch Familie und beschließt 1991 nach Miami zu ziehen und die Fotografie an den Nagel zu hängen. Erst vor fünf Jahren kehrte sie nach New York zurück und musste schmerzlich feststellen, dass sich vieles verändert hat. "Als ich sah, dass die 42. Straße sich in Disneyland verwandelt hatte, konnte ich bloß dastehen und weinen." Jill Freedman ist mittlerweile 68 Jahre alt. Sie kann sich vorstellen, wieder zu fotografieren: "Ich möchte das finden, was übrig ist." Ihre Leica M4 von damals hat sie noch.

ccm - 03. Juni 2008

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