Tom Tykwer im Interview
"The International" ist Eröffnungsfilm der Berlinale – Grund genug für ein Interview mit dem deutschen Regisseur Tom Tykwer
Tom Tykwer eröffnet mit seinem neuen Film, dem Polit-Thriller „The International“, die diesjährige Berlinale. Darin zu sehen: keine Geringeren als Clive Owen und Naomi Watts. Im Interview verrät der 44-Jährige Regisseur unter anderem, warum die Figuren der Hollywood-Stars sich nicht ineinander verlieben durften und was eine gute Action-Szene ausmacht.
- VANITYFAIR.de:
- „The International“ ist ein klassischer Thriller. Sie sagten einmal, dass Sie den Thriller für die Königsdisziplin aller Genre-Gattungen halten…
- Tom Tykwer:
- …was einem schon großen Respekt einflößen kann. Deshalb hat es wohl auch eine Zeitlang gedauert, bis ich mich reif dazu fühlte, endlich einen zu machen – der sich dann natürlich auch an den großen Beispielen des Genres messen lassen muss.
- VANITYFAIR.de:
- Im Film gibt es ein paar atemberaubende Action-Szenen. Waren die sehr schwierig zu realisieren?
- Tom Tykwer:
- Es geht im Actionfilm bei aller Geschwindigkeit doch immer auch um Klarheit, Logik, Plausibilität. Im Action-Bereich hat sich allerdings in letzter Zeit die Idee, dass eine Sequenz umso besser ist, je hektischer es zugeht, total verselbständigt. Das soll wohl zur Steigerung der Dramatik dienen – was, wie ich finde, oft nicht funktioniert. Im Gegenteil: Häufig werde ich da von Sekunde zu Sekunde immer desorientierter.
- VANITYFAIR.de:
- Um gute Action entwickeln zu können, muss der Zuschauer erst einmal das Gefühl haben, dass er den Überblick hat, oder?
- Tom Tykwer:
- Ganz genau. Ich halte in diesem Zusammenhang überhaupt nichts von allzu unorganisierten Bildern oder einem generellen Prinzip der Desorientierung. Zunächst muss der Zuschauer wissen, wo wer sitzt, steht oder liegt. Wohin der eine abgeht und wohin der andere. Was der Raum, in dem wir uns befinden, für Bewegungsmöglichkeiten bietet. Nur wenn man diese Prinzipien etabliert hat, kann man die Regeln auch mal brechen. Wenn alles diffus und alles erlaubt ist, macht es doch gar keinen Spaß.
- VANITYFAIR.de:
- Der Besetzung von „The International“ gebührt großes Lob – allen voran natürlich dem Hauptdarsteller Clive Owen. Allerdings bleibt Naomi Watts im Film merkwürdig blass…
- Tom Tykwer:
- Sie tun ihr Unrecht. Der dynamische Antrieb des Films geht natürlich von Clive Owen aus, er ist der Motor des Films. Naomi spielt eine Rolle, die sonst in der Regel Männer spielen. Wie zum Beispiel Roy Scheider in „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ oder auch im „Marathon Mann“. Niemand würde je fragen, warum Roy Scheider im Film nicht genauso groß herauskommt wie Gene Hackman oder Dustin Hofmann! Aber wenn eine Frau mal den Ermittlungspartner eines Detektivs spielt, dann erwartet man gleich, dass daraus ein zweiter Film im Film wird.
- VANITYFAIR.de:
- Haben Sie je mit dem Gedanken gespielt, die Beziehung zwischen Clive Owen und Naomi Watts in eine Liebesaffäre münden zu lassen?
- Tom Tykwer:
- Natürlich wäre das auch eine Option gewesen. Aber wir haben uns sehr schnell dagegen entschieden. Es ist schließlich ein Film über Erwachsene.






