Fortsetzung: Tom Tykwer im Interview
- VANITYFAIR.de:
- Wie meinen Sie das?
- Tom Tykwer:
- Es wäre einfach Quatsch, wenn die beiden plötzlich miteinander ins Bett gehen würden. Wenn sich im wahren Leben ein Mann und eine Frau um die 40 – sie hat außerdem ein Kind – beruflich kennenlernen, dann gehen sie doch nicht automatisch fremd. Ich wollte das Kinoklischee, dass die Frau zwangsläufig zur Geliebten des Helden wird, nicht bedienen. Das Leben ist komplizierter, und der Film nimmt das ernst.
- VANITYFAIR.de:
- Ihr Film spielt in einer korrupten Finanzwelt, was ihm durch die aktuelle Finanzkrise einen sehr brisanten Bezug verleiht…
- Tom Tykwer:
- …mit dem wir natürlich nie gerechnet hätten. Wir haben uns sogar schon etwas Sorgen gemacht, wie wir ein großes Publikum für diesen nicht ganz unkomplizierten Film interessieren können, der dann auch noch in der scheinbar spröden Finanzwelt spielt...
- VANITYFAIR.de:
- Könnten Sie sich vorstellen, jemals bei einem Bond-Film Regie zu führen?
- Tom Tykwer:
- Nein. Wenn ich zwei Jahre meines Lebens in ein Filmprojekt investieren soll, dann sollte ich mich schon wirklich sehr dafür interessieren. Es ist nun mal ein großer Unterschied, ob man sich zwei Stunden einen Bond-Film im Kino ansieht oder sich jahrelang intensiv damit beschäftigt. Das würde ich nicht durchhalten. Der Stoff zu „The International“ hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Es war – obwohl anfangs das Drehbuch nur sehr rudimentär vorhanden war – wie eine Art Magnetismus. Ich wollte den Film ja eigentlich schon viel früher machen.
- VANITYFAIR.de:
- Was hat Sie davon abgehalten?
- Tom Tykwer:
- Wir kamen mit den Details, mit den Haken und Ösen der Geschichte einfach nicht richtig voran. Da sagte ich zu meinen Mitstreitern: „Tut mir leid, Jungs, aber ich muss erst einmal einen anderen Film drehen!“ (Lacht) Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals beim Mischen von „Das Parfum“ im Tonstudio war und nachts Drehbuch-Sessions für „The International“ hatte.
- VANITYFAIR.de:
- Welche Charaktereigenschaft hilft Ihnen beim Filmemachen am meisten?
- Tom Tykwer:
- Ich versuche das Irrationale und das Präzise zusammenzubringen. In der Hoffnung, dass etwas entsteht, das mit einer eigenen Stimme, einer spezifischen Filmsprache zum Zuschauer spricht.






