- VANITYFAIR.DE
- Sagen Sie jetzt nicht, dass es Ihnen unangenehm ist, angehimmelt zu werden
- Shahrukh Khan
- Diesen ganzen Erfolg habe ich nur durch mein Glück. Und ich danke Gott dafür. Ich hoffe, meine Glückssträhne hält noch etwas an. Es wäre mir peinlich vor meinen Kindern, wenn ich plötzlich schlechte Filme machen müsste. Es war mir übrigens nie so wichtig, ein großes Auto zu haben oder ein Flugzeug. Aber: Die Passkontrolleure am Flughafen sind nett zu mir, das ist ein echter Vorteil.
- VANITYFAIR.DE
- F In Ihrem neuen Film "Om Shanti Om", mit dem Bollywood jetzt auf dem europäischen Markt punkten möchte, sind Sie, was für ein Zufall, ein Schauspieler. Die Geschichte spielt praktischerweise in den Studios von Mumbai, was den ständigen Wechsel der Dekors für den europäischen Zuschauer weniger absurd erscheinen lässt. Zudem haben Sie zum ersten Mal einen völlig durchtrainierten Körper. Haben Sie sich das angetan, weil
erfolgreiche Stars in westlichen Filmen so aussehen müssen? - Shahrukh Khan
- Bisher war ich immer der Frauenschwarm – geliebt wegen meines Charakters, nicht wegen meines Körpers! Und noch nie spielte ich den Superhelden oder den Polizisten, wozu hätte ich da also Muskeln gebraucht? Aber dann hat mein Sohn einmal zu mir gesagt: "Papa, du siehst ein bisschen fett aus." Also habe ich drei Monate lang alles aufgeben, was Spaß macht im Leben. Jetzt habe ich diesen Körper. Aber eigentlich bin ich ja sowieso Sportler. Ich spiele für meine Leben gern Fußball.
- VANITYFAIR.DE
- Dabei haben Sie sich vor kurzem eine Knieverletzung zugezogen und sich angeblich in Deutschland operieren lassen.
- Shahrukh Khan
- Meniskus und Kreuzband, beides. Aber ehrlich gesagt war ich wegen der Operation in Österreich. In einem Ort, der mit Z anfängt. Ich erinnere mich leider nicht an den Namen. Ich hatte auch noch eine Verletzung an der Wirbelsäule. Damit wollte ich erst nach Deutschland, bin dann aber nach London gegangen.
- VANITYFAIR.DE
- Unsere Krankenhäuser reizen Sie offenbar nicht. Aber wie sieht es mit dem deutschen Fußball aus?
- Shahrukh Khan
- Hervorragend!
- VANITYFAIR.DE
- Haben Sie Lieblingsspieler?
- Shahrukh Khan
- Meine Mutter und ich haben immer zusammen die Weltmeisterschaften geguckt. Zum Beispiel 1990, da hatten wir dann auch Farbfernsehen in Indien. Wir haben das ganze Haus aufgeweckt mit unserem Gebrüll. Ich war vor allem von der alten deutschen Fußballgarde begeistert: Rummenigge, Beckenbauer. Und dann gab es da noch einen anderen Gentleman: Lothar Mathäus! Und ich kann mich noch an dieses eine Spiel erinnern, als einer von ihnen trotz Kopfverletzung und blutgetränktem Verband in der letzten Minute ein Kopfballtor machte. Wie heroisch!
- VANITYFAIR.DE
- Dieter Hoeneß, FC Bayern München
- Shahrukh Khan
- Ach ja? An den Namen konnte ich mich nicht mehr erinnern.
- VANITYFAIR.DE
- Haben Sie sich schon einmal überlegt, in die Politik zu gehen? Sie verkörpern den Aufschwung Indiens wie keiner sonst.
- Shahrukh Khan
- Nein, Politiker müssen hart arbeiten und absolut selbstlos sein. Ich arbeite zwar auch viel, aber als Schauspieler ist man in der Tiefe seines Herzens ein Narziss. Es ergibt also keinen Sinn, dass ich Politiker werde. Außerdem ist es so, dass ich für alle politischen Einstellungen, die ich länger als einen Tag vertrete, zu Hause von meiner Frau geschlagen werde. Sie ist im Übrigen Hindu.
- VANITYFAIR.DE
- In dem Film tragen Sie eine Halskette mit drei Anhängern: Kreuz, Halbmond und das hinduistische Om-Zeichen. Wollen Sie es allen recht machen?
- Shahrukh Khan
- Farah Khan, die Regisseurin des Films, und ich, wir sind beide Muslime, und wir stehen auch dazu. Ich bin aber sicher kein Fanatiker. Ich glaube nicht an eine Religion, die andere Formen des Glaubens für falsch erklärt. In Indien wurde ich als Muslim von den Hindus voll akzeptiert. Die Menschen lieben mich. Ich bin überzeugt: Wenn jemand an Gott glaubt, dann ist es meine Pflicht, das zu respektieren. Sicher, jede Religion birgt in sich das Potenzial, schlechten Einfluss auf die Mentalität vor allem junger Leute zu haben. Aber eigentlich ist es egal, wie wir Gott nennen. Am Ende werden wir schon herausfinden, wie sie oder er wirklich ist.
- VANITYFAIR.DE
- In "Om Shanti Om" haben Sie einen Gegenspieler. Es ist ein ehrgeiziger Produzent, er schwängert die Frau, die Sie lieben, und verbrennt sie schließlich. Sie kommt dann aber als Geist zurück, um Rache zu nehmen. Wollten Sie damit in Indien, wo immer noch Frauen verbrannt werden, Aufklärungsarbeit leisten?
- Shahrukh Khan
- Nein, um Himmels willen. Das haben wir nur drin, weil es so schön dramatisch ist! Wir haben uns hingesetzt und überlegt: Wie soll er sie umbringen? Was ist am gruseligsten? Vergiften? Erhängen? Das Beste wäre, wir verbrennen sie. Ich gebe zu, es war ein dunkler, fieser Gedanke, das so zu drehen. Aber es sieht toll aus! Und glauben Sie mir, es gibt in Mumbai keinen Produzenten, der ernsthaft darüber nachdenkt, seine Freundin zu verbrennen.






