Biographie: Oskar Roehler, 49 Jahre
Leben: Geboren am 21. Januar 1959 in Starnberg als Sohn der Schriftstellerin Gisela Elsner und des Lektors Klaus Roehler. Roehlers Mutter verließ Mann und Kind, als ihr Sohn drei Jahre alt war. 1992 nahm sie sich das Leben. Roehler wuchs in Rom, London und bei der Großmutter in Franken auf. Er ist mit der Designerin Alexandra Fischer-Roehler verheiratet und lebt in Berlin.
Karriere: Verdingte sich zunächst als Drehbuchautor fürs Fernsehen. 1995 Regiedebüt mit „Gentleman“. 2000 Deutscher Filmpreis für „Die Unberührbare“, der an das Leben seiner Mutter angelehnt ist.
Glanz der Spießigkeit
Oskar Roehler ist der große Exzentriker unter den deutschen Filmemachern – und einer der erfolgreichsten. Ein Gespräch über gefährliches Spießertum und seinen neuen Film "Lulu und Jimi"
Oskar Roehler sieht nicht aus wie ein Regisseur, schon gar nicht wie einer aus Deutschland. Eher wie ein Dandy aus den 20er-Jahren mit einer Villa am Wannsee. In der Garderobe eines solchen fühlt er sich bei den Fotoaufnahmen für VANITY FAIR jedenfalls ausgesprochen gut: Er lässt sich schminken, auch schwarze Seidenbademäntel schrecken ihn nicht ab. Bekannt wurde Roehler durch Filme wie „Die Unberührbare“ oder „Agnes und seine Brüder“, die mit ihrer moralischen Ungebundenheit und dem Willen zur Ausschweifung das Kino zum Glänzen bringen wie seit Fassbinder keiner mehr. Am 22. Januar läuft Roehlers neuer Film „Lulu und Jimi“ an. Premiere feiert er auf dem diesjährigen Sundance-Festival (15. bis 25. Januar).
- VANITY FAIR:
- Herr Roehler, Ihr neuer Film „Lulu und Jimi“ spielt in einer Zeit, als Ihre Großmutter ständig Ihre Unterarme kontrollierte, um zu prüfen, ob Sie Heroin nehmen.
- Für mich war es der blanke Horror, in dieser Zeit aufzuwachsen, späte 50er, frühe 60er. Und das auch noch in dem Kaff Ebern in Unterfranken. Aber ich liebe es, Filme über das gefährliche Spießertum zu drehen.
- VANITY FAIR:
- Oh, was ist das?
- Es besteht aus frustrierten Menschen in kleinen Städten. Und die sind frustriert, weil sie aus ihren engen Grenzen nicht rauskommen. Sie unternehmen dann alles, um dort auszubrechen, sind irgendwann zu allem bereit. So wie Kathrin Sass im Film diese herrschsüchtige, wirklich gemeine luxusbesessene Mutter spielt. Ich denke aber auch an so jemanden wie Tatjana Gsell.






