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Nach einem guten Frühstück ist Nina Hoss auch mal richtig entspannt. Ansonsten muss bei ihr eine gewisse

Nach einem guten Frühstück ist Nina Hoss auch mal richtig entspannt. Ansonsten muss bei ihr eine gewisse "Grundspannung" herrschen

Schlaflos in Berlin

Wenig Zeit zum Ausruhen: Nina Hoss kommt diese Woche mit dem Film „Anonyma“ ins Kino und steht im Stück „Die Präsidentinnen“ auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin. Dabei wird sie schnell ungemütlich, wenn sie unausgeschlafen ist und wenn es um die Rechte von Frauen und Indianern geht:

Es ist Freitag, der 27. April 1945. Eine Berlinerin notiert: „Da haben sie mich. Die beiden haben hier gelauert. Ich schreie, schreie…Hinter mir klappt dumpf die Kellertür zu…Schon liege ich am Boden… Der eine Mann hält Wache, während der andere an meinem Unterzeug reißt, sich gewaltsam den Weg sucht.“ So steht es im Tagebuch einer anonym gebliebenen Frau, das Hans Magnus Enzensberger im Jahr 2003 veröffentlichte.

Nina Hoss gibt dieser Frau jetzt ein Gesicht. Ihr neuer Film „Anonyma – Eine Frau in Berlin“ (ab 23. Oktober im Kino) erzählt vom Einmarsch der Roten Armee in Berlin und den Massenvergewaltigungen in den letzten Kriegswochen. Nach Schätzungen waren es Hunderttausende, die von der marodierenden Soldateska misshandelt und erniedrigt wurden. Hoss spielt die Tagebuchschreiberin – so überzeugend, dass man bei vielen Szenen lieber wegsehen möchte.

VANITY FAIR:
Frau Hoss, in Ihrer Rolle als Anonyma halten Sie fast stoisch unerträgliches Leid aus. Sind Frauen das stärkere Geschlecht?
Nina Hoss:
Ich denke, Frauen können mehr ertragen. Das hat vielleicht etwas mit ihrer körperlichen Konstitution zu tun. Eine Geburt verursacht, glaube ich, die unglaublichsten Schmerzen, die man sich vorstellen kann. Frauen sind so konstituiert, dass sie Leben schenken und dementsprechend auch an dem Bewahren des Lebens interessiert sind. Deshalb haben sie unglaublich viel Kraft.
VF:
Im Film sind Sie in zahlreichen Szenen nackt zu sehen. Kostet Sie das immer noch Überwindung?
Nina Hoss:
Doch, immer, weil ich mich in dem Moment irgendwie schutzlos fühle.
VF:
Auch als Prostituierten in „Das Mädchen Rosemarie“ gaben Sie viel von sich preis. Gibt es Parallelen zur Figur der Anonyma?
Nina Hoss:
Selbstverständlich überschreitet Anonyma die Grenze zur Prostitution. Aber innerlich sperrt sich in mir alles, sie so zu bezeichnen – sie hatte ja keine Wahl. Entweder stirbt sie, weil sie von 50 Russen vergewaltigt wird, oder sie geht diesen Deal ein mit einem, dem sie sich hingibt, dafür beschützt er sie. Das ist ein Geschäft. Einmal schreibt sie: „Bin ich jetzt eine Dirne, weil ich dafür Brot und Zucker bekomme? Ja, vielleicht.“ Die Begrifflichkeiten verändern sich im Krieg. Es gibt erst mal keine moralische Verurteilung oder Einordnung, weil jeder nur mit seinem Überleben beschäftigt ist.

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