"Keine 20 Kilo zunehmen"
Julia Jentsch würde vieles für eine Rolle tun – aber nicht alles. Mit uns sprach sie über ihre Rolle als Hitler-Verehrerin
Gute Schauspieler sollten wandelbar sein, so wie Julia Jentsch. In “Sophie Scholl – die letzten Tage“ ließ sie als Widerstandskämpferin gegen die nationalsozialistische Diktatur ihr Leben. Für Jiří Menzels “Ich habe den englischen König bedient“ ist sie in die entgegen gesetzte Rolle geschlüpft. Julia Jentsch spielt in dem tschechischen Film die Sudetendeutsche Líza – charakterisiert vor allem durch ihre fanatische Liebe zum Führer. “Ich habe den englischen König bedient“, der 2008 als bester ausländischer Film für den Oscar vorgeschlagen wurde, ist ab dem 21. August im Kino zu sehen. Es gibt einen Grund dafür, dass die 30-Jährige zu Deutschlands wichtigsten Schauspielerinnen zählt: ihre Bescheidenheit. Julia Jentsch braucht keinen Glamour, und allzu großes Interesse an ihr als Privatperson ist ihr unangenehm. Damit sie alle Energie in ihre Rollen stecken kann. Mit VANITYFAIR.DE sprach sie über politisches Engagement, Unterhaltung, Ernst und ihre persönlichen Grenzen.
- VANITYFAIR.DE:
- Es gibt in “Ich habe den englischen König bedient“ eine Szene, in der Lízas Gesicht zu dem von Adolf Hitler wird – ein schockierender Moment.
- Julia Jentsch:
- Als ich dieses Bild gesehen habe, bin ich auch erschrocken. Ich wusste zwar, dass die Szene so geschrieben ist, aber während der Dreharbeiten habe ich es vorübergehend vergessen. Die Verwandlung wurde erst nachträglich per Computer eingefügt.
- VF:
- Wie bereitet man sich auf die Rolle einer Hitler-Fanatikerin vor?
- J.J.:
- Letztendlich genauso wie auf jede andere Rolle auch. Ich musste jedoch erstmal darüber nachdenken, ob ich mich wirklich mit einer Figur beschäftigen möchte, die so einer Ideologie folgt. Dann hat mich das Drehbuch überzeugt – die Art, wie Líza darin beschrieben wird. Sie ist einerseits befremdend, andererseits aber lustig und naiv. Mit so einem Charakter hatte ich mich bis dahin nicht beschäftigt.
- VF:
- In “Sophie Scholl – Die letzten Tage“ haben Sie das exakte Gegenteil von Líza gespielt – eine Widerstandskämpferin, die für ihre Überzeugungen stirbt. Líza ist eine Mitläuferin. Zu welchem Pol tendiert die echte Julia Jentsch?
- J.J.:
- Zum Glück war ich bisher in keiner Situation, in der ich mich so einer Frage stellen musste. Ich bin privat nicht politisch aktiv. Natürlich sind mir Gesamthaltung und Aussage der Filme wichtig, in denen ich mitspiele, aber der Inhalt muss nicht politisch sein. Es wäre etwas anderes, wenn ich schon immer Mitglied bei den Jusos gewesen wäre oder mich anders engagiert hätte. Ich mache das aber jetzt nicht plötzlich, nur weil ich mehr in der Öffentlichkeit stehe. Am wichtigsten ist mir meine Arbeit als Schauspielerin. Die private Julia Jentsch hat in der Öffentlichkeit eigentlich nichts verloren.
- VF:
- Warum nicht?
- J.J.:
- Weil es nicht gut ist, zuviel über die Privatperson zu wissen. Das erschwert es, in eine Geschichte einzutauchen und einem Schauspieler zu folgen.






