VF:
Was sind denn die typischen künstlerischen Marc-Forster-Fingerabdrücke bei „Ein Quantum Trost“?
MF:
Ich habe versucht, vom Look her einen Retro-Bond - so im Stil der 60er Jahre - zu machen, und doch gleichzeitig einen sehr modernen. Da prallen also zwei Welten aufeinander. Außerdem war Bond am Ende von „Casino Royal“ an einer emotionalen Bruchstelle, an der ich ihn abholen und dann weiterleiten wollte. Bond kann sich ja gefühlsmäßig fast nicht ausdrücken.
VF:
Wie übrigens auch die meisten Ihrer anderen Filmcharaktere.
MF:
Ganz genau. Das war wohl auch der entscheidende Grund warum Barbara Broccoli wollte, dass ich mich mit Bond befassen soll-te. Und obwohl Bond gefühlsmäßig sehr zurückgenommen ist, konnte ich doch eine gewisse Emotionalität entstehen lassen.
VF:
Sie haben doch nicht etwas Bonds Geheimnis gelüftet?
MF:
Um Gottes Willen! Das wäre völlig falsch. Bond lebt sehr stark von dieser Undurchdringlichkeit und vom Geheimnisvollen. Des-halb habe ich ihm auch Camille – gespielt von Olga Kurylenko – an die Seite gestellt, die sozusagen seine weibliche, emotionale Seite verkörpert. Sie ist das Spiegelbild von Bond. Man spürt, dass das, was sie sagt, eigentlich auch in Bond vorgeht.
VF:
Ist Daniel Craig Ihr Lieblings-Bond-Darsteller?
MF:
Sicher, denn mit ihm habe ich natürlich ganz eng zusammengearbeitet. Aber ich mochte auch Sean Connery in seinen Bond-Filmen.
VF:
Können wir uns eigentlich etwas darauf einbilden, dass Sie der erste deutsche Regisseur sind, der bei einem Bond-Film Regie geführt hat – oder müssen wir Sie tatsächlich den Schweizern überlassen?
MF:
Ich bin in Ulm geboren, meine Eltern sind Deutsche, also quali-fiziere ich mich schon als Deutscher. Meine deutschen Wurzeln sind mir schon sehr wichtig, auch wenn ich in Davos, in der Schweiz, aufgewachsen bin. Man hat mir im Juni dieses Jahres die Bürgerrechte von Davos verliehen, was mich automatisch zum Schweizer macht.
VF:
Gerade noch rechtzeitig zum Bond-Film-Start.
MF:
Ja, die dachten wohl immer ich sei schon Schweizer. Da haben sie plötzlich ihren Irrtum bemerkt - und schnell korri-giert. Das war schon lustig. Aber ich fühle mich eigentlich we-der als Deutscher noch als Schweizer, sondern als Weltbürger.
VF:
Sie haben sich nach Ihrem Filmstudium in New York, Anfang der 90er Jahre, sehr schwer getan als Filmemacher Fuß zu fassen.
MF:
Das können Sie laut sagen. Ich habe an der Armutsgrenz gelebt, bei Freunden auf dem Sofa gepennt, mir Geld für meine Filme zusammengeschnorrt…
VF:
…und trotzdem immer wieder Angebote abgelehnt bei Hollywood-Filmen Regie zu führen, darunter auch bei „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“. Warum eigentlich?
MF:
Ganz einfach: Ich wollte mir meine künstlerische Integrität be-wahren! Natürlich hätte ich für den einen oder anderen Film 150.000 oder 300.000 Dollar bekommen. Aber für diese Filme hatte ich keine Vision. Also wären sie doch nur schlecht gewor-den. Und danach hätte ich nie mehr die Möglichkeit gehabt einen weiteren Film zu machen. Also habe ich sehr mühsam durchgehal-ten, bis der richtige Film kam.

Merken Drucken Weitersagen

Achtung, Bond!

Daniel Craig im Interview über die Rolle seines Lebens

Der Widersacher

Kein Film funktioniert ohne Bösewicht. Die besten Gegenspieler James Bonds sehen Sie hier

Ein Quantum Glück

Das Vanity Fair-Gewinnspiel zum James-Bond-Film "Ein Quantum Trost"