"Die Gage hat mich überzeugt"

Marc Forster hat sich lange bitten lassen, die Regie für den neuen 007-Streifen "Ein Quantum Trost" zu übernehmen

Ein Film-Ästhet und Feingeist drehte „James Bond 007: Ein Quantum Trost“ (Start: 6.11.). War da was schiefgelaufen? Mitnichten! Regisseur Marc Forster („Drachenläufer“) hat nicht nur die Bond-Rundumerneuerung vorangetrieben, sondern auch versucht, der erfolgreichsten Film-Franchise seinen Stempel aufzudrücken.
Überrascht, dass man ausgerechnet ihn ausgewählt hatte, war er dann aber doch.

VANITYFAIR.DE:
Stimmt es, dass Sie „Ein Quantum Trost“ gar nicht machen wollten?
Marc Forster:
Als mir mein Agent sagte, dass mich die Bond-Produzenten gerne als Regisseur für ihren neuen Film haben wollten, war ich zunächst einmal total verblüfft. Warum gerade mich? Ich hatte doch noch nicht einmal einen Action-Film gemacht. Außerdem war ich auch kein großer Bond-Film-Fan. Also habe ich erst einmal geantwortet, dass mich ein Bond-Film überhaupt nicht interessiert.
VF:
Und was geschah dann?
MF:
Sie haben nicht locker gelassen. Ich habe dann die beiden Produzenten Barbara Broccoli und Michael Wilson getroffen, und die waren tatsächlich sehr enthusiastisch. Also habe ich mich einen ganzen Monat lang in meinem Haus am Venice Beach in Los Angeles eingeigelt und darüber nachgedacht, warum ich es viel-leicht doch wagen sollte. Denn für mich gab es doch eigentlich nichts zu gewinnen.
VF:
„Casino Royal“ war der erfolgreichste Bond aller Zeiten.
MF:
Nicht nur das. Er war ja auch künstlerisch überzeugend und hat beim Publikum eine wahnsinnig hohe Erwartungshaltung aufgebaut. Warum sollte ich also eine Fortsetzung drehen? Außerdem hatte ich mir im Laufe meiner Karriere bei Filmen mit bis zu 60 Millionen Dollar Produktionskosten den für mich so wichtigen „final cut“ erarbeitet. Den würde ich natürlich bei einem Budget von über 200 Millionen Dollar - wie bei „Ein Quantum Trost“ – nicht mehr haben. Und selbst wenn der Film ein Riesen-Erfolg sein sollte, würde mich das doch nur in die Position bringen, weitere Blockbuster-Filme drehen zu können. Und das war nun ganz und gar nicht meine Absicht.
VF:
Was hat Sie schließlich überzeugt?
MF:
Die Gage (lacht). Die ging nämlich, je länger ich schwieg, ste-tig nach oben. Ich habe meinen Agenten angefleht, er solle mir bloß nicht sagen, wie viel ich bekommen würde. Denn ich habe noch nie einen Film nur wegen des Geldes gemacht.
VF:
Das US-Branchenblatt Varitey spricht von einer Fünf-Millionen-Dollar-Gage. So, so: Bei fünf Millionen werden Sie also schwach...
MF:
(Lacht) Nein, ganz und gar nicht. Was schließlich den Ausschlag gab, war, dass ich dann doch die künstlerische Herausforderung annehmen wollte. Ich habe mir einfach gesagt: Du machst jetzt einen Kunstfilm! So habe ich mich von dem kommerziellen Druck und anderen Erwartungshaltungen erst einmal frei gemacht.
VF:
Ihnen war schon klar, dass es bei einem Bond-Film feste Regeln gibt?
MF:
Sicher. Aber ich hatte mir fest vorgenommen innerhalb dieses Bond-Rahmens mein Ding zu machen.

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