Franka Potente erzählt, warum sie Papst Benedikt XVI. nicht mag

Franka Potente erzählt, warum sie Papst Benedikt XVI. nicht mag

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Je eines dieser roten Che-Guevara-T-Shirts besessen?
Franka Potente
Besessen ja. Ich habe mir mal in Bolivien eines gekauft. Aber ich hatte es noch nie an.
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Wie haben Sie auf die Rolle der Guerillera Tamara Bunke vorbereitet?
Franka Potente
Ich hatte Kontakt zu zwei Veteranen aus der damaligen Guerilla-Gruppe, die mir viel erzählt haben über Tamara Bunke, die ja die einzige Frau war in diesem Testosteron-Haufen, wenn auch komplett gleichberechtigt. Die hat genauso geschleppt wie die Männer. Also, ich hatte viel Waffentraining, habe gelernt wie du den Karabiner hältst, wie du damit durch den Dschungel gehst. Das war eine Mischung aus Pfadfinderlager und Survivalcamp. Hat Spaß gemacht.
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Und dabei noch Spanisch gelernt...
Franka Potente
Mit einem Coach. Es ist erstaunlich, was man alles lernen kann, wenn man muss. Ich musste auch noch einen argentinischen Akzent haben, das war tricky. Ich hab echt gelernt wie blöd.
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Der Film läuft dann in den USA komplett auf Spanisch mit Untertiteln?
Franka Potente
Ich denke schon. So wird das inzwischen immer häufiger gemacht bei etwas couragierteren Regisseuren. Und ich find’s toll. Denken Sie an "Traffic", an "Syriana", zuletzt "Babel". Es ist einfach authentischer, wenn die Leute ihre Sprache sprechen. Und nicht, wie es lange der Fall war, so getan wird, als spräche die ganze Welt mehr oder weniger akzentfreies Englisch.
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Sollte man die Synchronisation nicht langsam abschaffen?
Franka Potente
Ich glaube, dass sich das bald von selbst erledigt. Unsere Generation hat ein ganz anderes Verständnis für Fremdsprachen und ist durch das Internet an Bild in Kombination mit Schrift in schneller Abfolge gewohnt. Es wird den Leuten immer leichter fallen, sich Filme in der Originalfassung mit Untertiteln anzusehen.
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Nun lief Ende vergangenen Jahres Ihr Regiedebüt "Der die Tollkirsche ausgräbt" – ein Stummfilm. Wie kam es dazu?
Franka Potente
Ein Experiment einfach mal. Es fanden sich auch schnell Leute, die das Projekt unterstützen wollten. Wissen Sie, ich leiste es mir inzwischen, streng nach dem Lustprinzip vorzugehen. Ich habe auch im letzten Jahr zusammen mit dem Max Urlacher einen Dokumentarfilm über die Untergrundszene von Tokio gedreht.
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Sie werden ja auch in Sönke Wortmanns Verfilmung von "Die Päpstin" spielen...
Franka Potente
... aus rechtlichen Gründen darf ich Ihnen dazu nichts sagen.
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Wir wollten eigentlich nach Ihrer Haltung zu Glaube und Religion fragen.
Franka Potente
Ich war katholisch und bin es seit dem neuen Papst nicht mehr. Es waren ja auch afrikanische Kandidaten im Gespräch, und ich hatte die Papstwahl mit Spannung verfolgt. Aber das war es dann für mich. Ich finde die Haltung zum Thema Verhütung, besonders angesichts der AIDS-Katastrophe in Afrika, völlig daneben. Ich finde auch die Haltung zum Thema Homosexualität absolut daneben. Sicher macht die katholische Kirche karitativ viele gute Dinge. Aber in diesen beiden Punkten ist sie für mich ganz weit weg – als Leitmotiv in meinem Leben kommt das nicht in Frage.
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Volker Schlöndorff, der die "Päpstin" ursprünglich drehen sollte, wurde von der Regie entbunden, nachdem er sich öffentlich darüber beklagt hatte, dass der Film gleichzeitig als Kinofilm und als TV-Zweiteiler geplant ist. Er empfand das als paradox.
Franka Potente
Natürlich ist es etwas anderes, einen Kinofilm in dem Wissen zu drehen, dass er auch fürs Fernsehpublikum taugen soll.
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Sie haben immer noch keinen Fernseher?
Franka Potente
Ich hatte in Amerika keinen. Jetzt habe ich einen, allein um DVDs zu gucken.
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Wie fühlen Sie sich so, zurück in Berlin – Ihre Heimkehr aus Hollywood wurde hier nicht durchweg gnädig aufgenommen.
Franka Potente
Ich hatte nie vor, in Hollywood alt zu werden. Ich habe eine Auszeit genommen, und die war einfach nach einem Jahr beendet. Damals hingen da überall Fahnen, die Armee ist in den Irak einmarschiert; die Dinge, die mir wichtig sind, hatten keinen Platz. Und es ist gut, wenn man eine andere Stadt ausprobiert und dann merkt, das ist es nicht. Das hilft herauszufinden, was man braucht und wo man sein möchte.
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In Berlin lassen Sie sich selte blicken. Wird nicht von einem Weltstar erwartet, dass er ab und zu Star ist, einfach so?
Franka Potente
Solche Fragen stelle ich mir gar nicht. Die Frage ist: Was bringt das, wenn ich mich hier fotografieren lasse und dort in ein Mikrofon quatsche. Da wird etwas von mir eingefordert, was ich nicht leisten will und auch nicht leisten kann. Mir geht es ohne das besser. Ich bin ausbalanciert, ich bin happy, und ich gehe auch gerne mal auf eine Party – aber nicht, wenn da Kameras rumstehen.
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Gerade Matt Damon oder Johnny Depp, mit dem Sie auch gedreht haben, machen vor, wie man smart mit seiner Rolle als Star umgeht.
Franka Potente
Das bewundere ich auch sehr. Als ich mit Johnny Depp "Blow" gedreht habe, in Mexico, waren wir abends was trinken. Er wollte erst nicht mitkommen, aber ich habe ihn überredet. In der Bar waren dann lauter Mädchen, die ihn erkannten. Die ganze Sache ist ausgeartet, plötzlich war ein richtiger Menschenpulk um ihn herum, die Mädels setzten sich auf seinen Schoß, er war völlig ungeschützt. Das tat mir so leid. Er hat mir später im Taxi erzählt, dass er einfach umschalten kann. In der Bar war er ganz der Star und im Taxi zum Hotel wurde er wieder er selbst. Sehr cool. Der kann das. Ich bin viel zu emotional für solche Situationen.
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Sie verstehen aber, warum Leute so auf Johnny Depp reagieren und warum er sich verstellt.
Franka Potente
Sicher. Ich stand mal mit Julia Roberts auf einer Party in der Kloschlange – das hat mich total irritiert. Einmal wohnte Björk im Hotelzimmer neben mir, und ich wusste, uns trennt nur diese Wand, wie unangenehm. Du möchtest von einem Idol, von dem du in deiner Gedankenwelt ein bestimmtes Bild hast, gar nicht so nahe sein. Ich will den gar nicht erleben wie einen normalen Menschen. Und er möchte verständlicherweise auch nicht, dass man ihn so erlebt.
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Stimmt es, dass Sie nach jedem Film zum Friseur gehen, um aus der Rolle raus zu kommen und wieder Sie selbst zu werden?
Franka Potente
Früher ja. Zuletzt habe ich viel mit Perücken gedreht, das kommt mir sehr entgegen. Es kam vor, dass mich die Leute vom Set am Abend gar nicht erkannt haben, so abgeschminkt und ohne Perücke. Am liebsten wäre mir: Ich geh morgens zur Arbeit, bin tagsüber der Filmstar und streife abends alles wieder ab. Um ich selbst zu sein.

Hindeja Farah und Christian Seidl/ VANITY FAIR - 02. Januar 2008

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