- VANITYFAIR.DE
- Was ist wichtiger in der Schauspielerei: Die Sprache und die Artikulation oder die Bewegung, die Gestik?
- Franka Potente
- Das ist untrennbar. Wenn ich eine Szene drehe, geht es nicht nur ums Reden, sondern auch ums Zuhören. Das Zuhören ist fast das Schwierigste zu spielen, auch beim zehnten Mal noch Zuhören. Und nicht nur das verstehen, was gesagt wird, sondern das Dazwischen. Es gibt viele Varianten, einen Satz zu sagen. Zum Beispiel so: "Ja, finde ich total gut!", (ihre Stimme klingt zwei Oktaven zu hoch, hysterisch) – dann kann ich damit ebenso das exakte Gegenteil ausdrücken. Mit diesen Möglichkeiten umgehen zu können, ist wesentlich für meinen Beruf.
- VANITYFAIR.DE
- Sie gehören vermutlich zu den Leuten, die sich Filme grundsätzlich in der Originalversion ansehen.
- Franka Potente
- Ja, es geht einfach zu viel verloren in der Synchronisation.
- VANITYFAIR.DE
- Haben Sie je einen Ihrer amerikanischen Filme in der deutschen Fassung gesehen?
- Franka Potente
- Nur im Synchronstudio, weil ich mich ja selbst synchronisiere. Und schon das ist immer komisch, weil die anderen ja auch nicht so sprechen, wie ich das gehört habe. Das Schrägste, was ich gehört habe, war die britische Fassung von "Lola rennt", da hat die Lola so einen englischen Slang und spricht ganz schnell und hoch.
- VANITYFAIR.DE
- Stimmt es, dass deutsche Schauspieler in Hollywood vor allem deshalb nicht in die erste Liga aufsteigen können, weil immer das Sprachproblem da ist?
- Franka Potente
- Das möchte ich nicht ausschließen. Aber: Was bedeutet erste Liga? Bedeutet das: Wie viel Geld du machst, wie viele Zuschauer du hast? Oder ist damit gemeint, dass du mit einem tollen Regisseur zusammen arbeitest und die Möglichkeit bekommst, dich schauspielerisch auszubreiten?
- VANITYFAIR.DE
- Sie sprechen von sich?
- Franka Potente
- Nicht unbedingt. Aber ich habe beispielsweise gerade mit Steven Soderbergh gedreht...
- VANITYFAIR.DE
- ... "Der Argentinier", ein Film über das Leben von Che Guevara, in dem Sie dessen deutschstämmige Freundin Tamara Bunke spielen.
- Franka Potente
- Das ist natürlich total toll. Aber es hat in Amerika einen ganz anderen Stellenwert als hier. Hier fangen die Leute an zu sabbern, wenn sie den Namen Soderbergh nur hören. Ich gucke bei meinen Rollen, was die Herausforderung ist und worauf ich Lust habe, und wenn das erfüllt wird, bedeutet das für mich "erste Liga".
- VANITYFAIR.DE
- Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Soderbergh?
- Franka Potente
- Ursprünglich sollte Terence Malik den Film drehen. Vor vier Jahren traf ich mich mit ihm und Benicio del Toro, der Che Guevara spielt. Malik hat dann doch erst "The New World" gemacht, und es gab irgendwelche rechtlichen Probleme, auf jeden Fall wanderte das Projekt zu Steven, und ich gehörte zu den Leuten, die er übernommen hat.
- VANITYFAIR.DE
- "The New World" lief vor fast zwei Jahren im Kino. "Der Argentinier" soll nun endlich im nächsten Jahr startklar sein. Was hat sich da so lange hingezogen?
- Franka Potente
- Ich weiß es nicht so genau. Der Sohn von Che Guevara war am Set, und dann gab es noch Leute von der Che-Guevara-Foundation und die Kubaner. Es war eben schwierig. Auch schwierig zu drehen. Das ist ein Riesenprojekt.
- VANITYFAIR.DE
- War Ihnen die Rolle eine Herzensangelegenheit? Sie äußern gelegentlich Ihre Sympathie für die kubanische Sache.
- Franka Potente
- Ich finde es immer interessant, Gesellschaften zu betrachten, die – auch in der heutigen Zeit – in einer Ausnahmesituation leben. Ich kenne Menschen, die auf Kuba leben, auch Künstler, die machen zum Beispiel ihre Schuhe selber oder verarbeiten das Glas von alten Fischtanks. Die sind ein ganz eigener Schlag, unglaublich geprägt von dieser Idee, die Kuba ist.
- VANITYFAIR.DE
- Kuba ist eine Diktatur.
- Franka Potente
- Die Politik will ich gar nicht bewerten. Die Kubaner leben mit vielen Entbehrungen, aber tun das mit einem unglaublichen Humor und einer fast nicht zu fassenden Leichtigkeit. Das finde ich faszinierend.






