Für immer Eva

Die Schauspielerin Eva Green gefällt sich als Playmate des intellektuellen Kinos und verzaubert durch ihren dunklen Charme

Eva Green scheint aus einer Zeit zu stammen, als Hollywood noch dunklere und wildere Träume hatte. Als Schauspielerinnen noch Filmgöttinnen waren oder zumindest Diven – und als Frauen auf der Leinwand verführen, töten und vor allem rauchen konnten. Für das Hollywood von heute wirkt sie einen Hauch zu düster, zu eigenwillig, zu wenig clean. Und vielleicht auch einen Tick zu offenherzig.

Kein Wunder, dass Eva Green im Fantasy-Spektakel "Der goldene Kompass" eine Hexe spielt. Eine gute Hexe, aber eben eine Hexe. Als der Regisseur Chris Weitz sein Ensemble zusammenstellte, war die 27-jährige Französin seine erste Wahl für die Rolle der 300 Jahre alten Serafina Pekkala.

Vielleicht ist es ihre Pariser Herkunft, die Eva Green so wohltuend von der Riege junger Hollywood-Schauspielerinnen unterscheidet. Denn in ihren Genen steckt viel vom abenteuerlichen französischen Kino der 60er-Jahre.

Greens Vater ist ein aus Schweden stammender Zahnarzt, ihre Mutter eines der Gesichter der Nouvelle Vague: Marlène Jobert debütierte 1966 in Jean-Luc Godards "Masculin – Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca Cola", später spielte sie neben Orson Welles, Jean-Paul Belmondo und Lino Ventura in Filmen von Louis Malle und Claude Chabrol, bis sie Eva und ihre Zwillingsschwester Joy bekam. Heute schreibt sie Kinderbücher.

Wenn Bertolucci dich haben will, dann machst du es einfach
Eva Green

Eine coole Mutter, möchte man meinen, und doch war es gerade sie, die Eva Green vor ihrer ersten Kinohauptrolle warnte. In Bernardo Bertoluccis "Die Träumer" sollte Eva Green ihr Filmdebüt als junge Pariserin aus gutem Hause geben, die in den Wirren des Jahres 1968 gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder einen amerikanischen Studenten verführt. Eine gewagte inzestuöse Dreiecksgeschichte und eine freizügige erste Rolle für Eva, was ihre Mutter befürchten ließ, es könnte sie ein ähnliches Schicksal ereilen wie Maria Schneider, die nach ihrem Auftritt als Jeanne in Bertoluccis Drama "Der letzte Tango in Paris" eine schwere psychische Krise erlitten hatte.

Eva fasste sich trotzdem ein Herz. "Wenn Bertolucci dich haben will, dann machst du es einfach", sagte sie damals. Schon während ihrer Schauspielausbildung in Paris und London hatte sie sich die schwierigen Rollen ausgesucht – und oft die der Bösen, etwa die Lady Macbeth, die berüchtigtste Femme fatale der Theatergeschichte. "Das hilft mir, mit den Alltagsemotionen zurechtzukommen", verriet sie dem Branchenmagazin "Total Film". Der Mut, in "Die Träumer" ihren Körper zu zeigen, zahlte sich aus: Der Film machte Eva Green 2003 über Nacht bekannt, sie wurde zum Liebling der Kritik und neuen Sexsymbol – zumindest beim Arthouse-Publikum, das sich an Bertolucci-Filmen erfreut. Lange war kein Autorenfilm so sexy gewesen.

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