Christian Bale im Interview

VANITYFAIR.DE:
Ihnen gelingt seit einigen Jahren der waghalsige Spagat zwischen Mainstream-Filmen und kleinen, aber feinen Arthouse-Movies.
Christian Bale:
Ich werde auch weiterhin Filme machen, in denen der künstlerische Anspruch an erster Stelle steht. Der positive Nebeneffekt, wenn man mal in ein, zwei Blockbuster-Movies mitgespielt hat, ist, dass man dadurch viel mehr Gewicht hat und mit seinem Namen auch kleinere Projekte realisieren kann.
VANITYFAIR.DE:
Der Name Christian Bale öffnet also inzwischen Türen?
Christian Bale:
Ja, so funktioniert das nun mal in Hollywood. Aber nichts gegen Blockbuster wie “The Dark Night“ oder “Terminator – Die Erlösung“. Das sind Filme, die man mit der Musik von Oasis vergleichen kann. Das bedeutet auf einer riesigen Party Spaß haben und die Songs laut mitgrölen. Dann gibt es aber auch die leisen, intimen Songs, wie zum Beispiel die von meiner Lieblingsband The Stone Roses. Die hört man sich dann ganz alleine im Auto beim Nachhausefahren an.
VANITYFAIR.DE:
Kann man als Schauspieler dem eigenen Ego von Zeit zu Zeit entfliehen?
Christian Bale:
Sie meinen sich hinter Filmrollen verstecken? Mag sein, dass das einige Kollegen so machen. Für mich wird aber gerade andersherum ein Schuh draus: Ich benutze meine Filmfiguren als Möglichkeit, das Leben auch von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Ich finde das sehr spannend.
VANITYFAIR.DE:
Ist dieses Rollenspiel manchmal spannender als das eigene Leben?
Christian Bale:
Mitunter! Aber es ist auch gefährlich. Wenn man so viele fremde Charaktere spielt, dann gerät man im wirklichen Leben viel leichter aus der Balance. Man verliert sich dabei manchmal und weiß gar nicht mehr so genau, wer man eigentlich selbst ist.
VANITYFAIR.DE:
Sie waren gerade einmal 13 Jahre alt, als Sie mit Steven Spielbergs “Im Reich der Sonne“ einen riesigen Kinohit hatten…
Christian Bale:
…was mich damals furchtbar belastet hat. Auf der einen Seite war es natürlich toll, dass ich endlich als Schauspieler arbeiten durfte. Auf der anderen Seite brach die Hölle über mich herein. Ich hatte so gut wie kein Privatleben mehr. Die Mädchen in der Schule wollten plötzlich alle mit mir gehen - und die Jungs wollten es mir mal so richtig zeigen und sich ständig mit mir prügeln. Und jeder Fahrrad-Shop in England wollte mich damals bei seiner Eröffnung dabei haben. Absolut schrecklich!

Ulrich Lössl - 04. Juni 2009

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