Der Tod beschäftigt uns mehr als die schönen Dinge im LebenCharlize Theron
Bei ihr war das nicht die übliche Floskel. "Als Kind hatte ich immer das Gefühl, ich müsste meine Mutter beschützen. Heute weiß ich: 90 Prozent meines Erfolgs habe ich ihr zu verdanken", sagt sie. Die Mutter lebt nach zwei weiteren gescheiterten Ehen wenige Minuten entfernt von der Tochter in den Hollywood Hills. Die Vergangenheit schweißt sie zusammen. Sie sprechen noch immer Afrikaans, ihre Muttersprache – und die Geheimsprache einer eingeschworenen Frauengemeinschaft in Los Angeles. Männer hatten da lange keinen Zugang.
Das änderte sich, als Charlize 2002 den Thriller "24 Stunden Angst" drehte und dabei den Schauspieler Stuart Townsend kennenlernte. Mit dem knapp drei Jahre älteren Iren lebt sie seitdem zusammen, zurückgezogen – und ohne Klatsch und Skandale. Sie verteidigt ihr Heim wie eine Löwin. "Ich versuche mich, so gut es geht, gegen diese Kultur zu wehren, in der wir Leute aufbauen, um sie dann umso tiefer fallen zu sehen. Wir wollen sehen, wie sie sich peinlich danebenbenehmen, wie sie besoffen aus Autos stolpern."
Zurzeit spielt Theron in Townsends Regiedebüt "Battle in Seattle" mit. Bleibt da auch das Privatleben außen vor? Charlize Theron wirft den Kopf in den Nacken und lacht wie ein Bauarbeiter, laut und dreckig. "Manchmal habe ich ihn beim Dreh vor seiner gesamten Crew bei seinem Kosenamen gerufen. Das fand er nicht so wahnsinnig gut. Er muss da ja Autorität ausstrahlen!"
Ich bin auf der Suche nach guten Geschichten. Da bin ich nicht pingelig, wie ich dabei ausseheCharlize Theron
Theron jedenfalls ist weiter damit beschäftigt, Erwartungen auf möglichst bezaubernde Weise zu enttäuschen. Nach "Monster" spielte sie 2006 in "Kaltes Land" eine aschgraue Bergbauarbeiterin, 2007 im Kriegsheimkehrerdrama "Im Tal von Elah" eine Polizistin – ungeschminkt und mit brünettem Haarzopf. Die Frage, warum sie so konsequent jeden Glamour vermeidet, macht sie fast zornig. "In ‚Im Tal von Elah‘ sehen Sie meine natürliche Haarfarbe. Ich bin auf der Suche nach guten Geschichten. Da bin ich nicht pingelig, wie ich dabei aussehe."
Den Part der atemberaubenden Schönheit spielt sie nach wie vor abseits der Leinwand, und das mit großem Erfolg. Sie wirbt für einen Duft von Dior, regelmäßig erscheinen Modestrecken in den wichtigen Hochglanzmagazinen. Es ist eine ganze Menge Koketterie dabei, wenn sie sagt, diese Auftritte seien ihre eigentlichen Verwandlungen – und dabei ihre unendlich langen, samtig schimmernden Beine übereinanderschlägt.
Im Gegensatz zu den meisten Superhelden weiß man bei ihr nicht, wann sie verkleidet ist und wann nicht. Doch wie die meisten Comicfiguren, zum Beispiel Batman und Spiderman, hat Theron ein schweres Kindheitstrauma bewältigt und führt nun ein an der Oberfläche ganz gewöhnliches Leben – während sie in ihrem Doppelleben als Schauspielerin immer wieder Superkräfte mobilisiert. Und wie jeder gute Superheld weiß auch Theron, dass man das, was das Leben einem mitgibt, nie hinter sich lassen kann. "Sobald ich am Kap aus dem Flugzeug steige und meine Füße die Erde berühren, bin ich wieder Südafrikanerin. Die Geräusche, die Gerüche, das Essen, die Menschen, das ist in meinem Blut. Das geht nie weg."






