Charlize Theron verwandelt sich ständig

Charlize Theron verwandelt sich ständig

Der Tod beschäftigt uns mehr als die schönen Dinge im Leben
Charlize Theron

Die fantastische Frau

Sie spielt in "Hancock" gerade eine Frau mit Wunderkräften. Es ist die Rolle ihres Lebens. Denn wie die Superhelden in Comics hat auch Charlize Theron ein Kindheitstrauma bewältigt und verwandelt sich ständig

Charlize Theron schießt wie in einem Actionfilm durch die Suite des Berliner Ritz-Carlton-Hotels, direkt aufs Fenster zu, sie reißt die bodenlangen, weißen Gardinen auf und jubiliert: "Das ist der erste Blick auf Berlin seit Stunden!" Fast könnte man glauben, es ginge ihr wirklich um den Potsdamer Platz – obwohl diese urbane Wüste jemanden, der aus Südafrika kommt und in Los Angeles lebt, kaum umwerfen dürfte. Tatsächlich freut sich die Schauspielerin einfach über den schieren Freiraum, den Blick ins Weite, das Fenster zur Welt.

Und darum ging es im Leben der Charlize Theron immer wieder: Tabula rasa, Ausbruch, Raum für Neues. Sie spielte heiße Girls, Serienmörderinnen und Actionheldinnen – und jetzt an der Seite von Will Smith in dem Superhelden-Epos "Hancock" eine Rolle, die ihrer Vita, ihrem ganz eigenen Schicksal wohl am nächsten ist. Denn Charlize Theron blickt, obwohl sie erst 32 Jahre alt ist, auf einen Weg zurück, der dem Lebenslauf einer Superheldin entnommen sein könnte. Es ist eine Geschichte voller Tragik und Verwandlungen.

Charlize Theron wurde am 7. August 1975 im Städtchen Benoni bei Johannesburg geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Die deutschstämmige Mutter Gerda förderte das Einzelkind, wo es nur ging, erzog ihr Disziplin und Ehrgeiz an und schickte sie sowohl zum Ballettunterricht als auch in den Hühnerstall. Bis heute vereint Charlize die beiden Pole: Anmut und Hemdsärmeligkeit. Wenn die hochgewachsene Aktrice den Raum betritt, umweht sie ein Hauch von Marlene Dietrich und John Wayne.

Dass in der Kindheit von Charlize Theron eine echte Katastrophe stattfand, sieht man ihr nicht an – und zwar eine Katastrophe von der Sorte, wie man sie eigentlich nur aus Hollywood-Filmen oder eben aus Marvel-Comic-Heften kennt. Am 21. Juni 1991 kam ihr Vater Charles Theron volltrunken nach Hause und begann zu randalieren, woraufhin sich die 15-jährige Charlize in ihr Zimmer verkroch. Mit einem Gewehr in der Hand drohte der Mann, Frau und Tochter umzubringen. Gerda Theron erschoss ihn in Notwehr.

Charlize Theron hat versucht, diese Szene aus ihrem Leben zu verbannen. Lange Jahre erzählte sie Journalisten, ihr Vater sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Erst im Januar 2004, als Einzelheiten über die Tragödie an die Öffentlichkeit gelangten, sprach sie in einer Talkshow über das Ereignis. "Es ist wirklich traurig, dass die Medien sich da immer wieder draufstürzen. Das ist Jahre her. Weit weg, vorbei!"

Aber niemand weiß besser als Charlize Theron, dass die Vergangenheit manchmal einfach nicht vergeht. "Wir erinnern uns an die tragischen Momente in unserem Leben stärker als an die schönen", sagt sie. "Der erste Trennungsschmerz ist intensiver als die Süße des ersten Kusses. Der Fiesling, der mir das Herz brach, hat tiefere Spuren hinterlassen als der nette Kerl, der immer gut zu mir war. So traurig es ist, aber Liebeskummer, Schmerz und Tod beschäftigen uns einfach mehr als all die schönen Dinge im Leben."

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