Bullshit. Niemand hat mir das zugetraut!Charlize Theron
"Ich hasse Arschkriecherei"
Die Schauspielerin Charlize Theron redet mit Vanity Fair Online über lästige Schmeißfliegen, ihr Temperament und sexy Sidekicks
Mittlerweile kann sich die 32-jährige Oscar-Preisträgerin ("Monster", 2004) Charlize Theron die Rollen aussuchen, die sie spielen will. Und da sie die Abwechslung liebt, hat sie nach eher düsteren Filmen wie "Kaltes Land" und "Im Tal von Elah" eine Action-Komödie mit Will Smith gewählt.
In "Hancock" (ab 3. Juli im Kino) hilft sie dem etwas derangierten Superhelden ziemlich eindrucksvoll auf die Sprünge…
- Vanity Fair Online
- Mrs. Theron, welche übernatürliche Fähigkeit hätten Sie denn am liebsten?
- Charlize Theron
- Ich würde gerne einen Röntgenblick haben wie Superman. Dann könnte ich alle Leute wann immer ich wollte nackt sehen… Nein, das war nur Spaß. Im wirklichen Leben reichen mir die Fähigkeiten, die ich habe, eigentlich ganz gut aus.
- VF
- Was ist denn Ihre hervorstechendste Charaktereigenschaft?
- C.T.
- Ich bin sehr abenteuerlustig. Sehr lebenshungrig. Ich sage gerne das, was ich denke. Ich habe – wie wohl jeder Mensch – viele Facetten. Aber auch jede Menge Ecken und Kanten. Was ich zum Beispiel überhaupt nicht leiden kann, ist Opportunismus und Arschkriecherei.
- VF
- Dann sind Sie ja in Hollywood am richtigen Fleck.
- C.T.
- (Lacht) Ach, Leute, die sich immer und überall nur durchlavieren wollen, die gibt es doch überall. Aber bei all dem falschen Glanz sollte man nicht vergessen, dass Hollywood auch ein Sammelbecken für die weltweit besten Talente der Filmindustrie ist. Und das ich mit einigen davon schon gearbeitet habe, das erfüllt mich mit sehr großer Freude und Befriedigung.
- VF
- Vor allem seit Sie sich die Rollen aussuchen können...
- C.T.
- ... was natürlich nicht von Anfang an der Fall war. Da war auch schon mal Schund dabei. Aber seit etwa fünf Jahren – seit ich für die Darstellung der Serienmörderin Aileen Wuomos in "Monster" einen Oscar bekommen habe – haben sich die Angebote extrem verbessert.
- VF
- Sie haben einmal gesagt, Sie lieben Filme, bei denen der Regisseur seinen Fingerabdruck hinterlässt…
- C.T.
- Ja, etwa so wie der große Maler Jackson Pollock auf seinen Bildern sprichwörtlich seine Fingerabdrücke hinterlassen hat.
- VF
- Welchen Fingerabdruck haben Sie denn in "Hancock" hinterlassen?
- C.T.
- Von mir kann ich das nicht sagen. Das müssen andere entscheiden. Was ich allerdings bei jedem Film mache, ist mich hundertfünfzig Prozent reinzuhängen. Für die Rolle der Aileen in "Monster" habe ich mir zum Beispiel gut 15 Kilo angegessen. Das war nicht gerade ein Spaziergang.
- VF
- Das Wiederweghungern wahrscheinlich auch nicht. Bei Umfragen werden Sie nach wie vor unter die schönsten und erotischsten Filmstars gewählt.
- C.T.
- Aber seit "Monster" habe ich allen gezeigt, dass ich – als Schauspielerin – nicht eitel bin. Und nicht nur für den sexy Sidekick in Frage komme. Ich weiß noch, wie sie nach der Oscar-Verleihung alle ankamen und sagten, sie hätten es ja schon immer gewusst, dass das in mir steckt. Keiner von denen hat mir das zugetraut!
- VF
- Da klingt noch sehr viel Wut mit.
- C.T.
- (Lacht) Mag sein. Ich bin eben ein temperamentvolles Mädchen…
- VF
- Wenn Sie zwischen Schönheit und Talent wählen müssten…
- C.T.
- …wie unfair! Kann man denn nicht beides haben? Natürlich leben wir in einer Welt, in der es sehr auf das Äußerliche ankommt. Aber wer nur den "Look" hat und keinen Funken Talent, der kommt im Filmbusiness nicht weit. Was mir bei meiner Karriere am meisten geholfen - und auf der anderen Seite sicher auch am meisten geschadet – hat, ist meine Hang zur absoluten Ehrlichkeit. Ich hasse es wie die Pest, zu lügen.
- VF
- Apropos "temperamentvolles Mädchen": Stimmt es, dass Sie für den Film entdeckt wurden, als Sie in Los Angeles lautstark einen Bankangestellten zusammengefaltet haben, weil er Ihren Scheck nicht einlösen wollte?
- C.T.
- Ja, ist das nicht lustig? Ich wurde daraufhin von einem Hollywood-Agenten angesprochen.
- VF
- Und Sie haben die Gelegenheit gleich beim Schopf gepackt.
- C.T.
- Was sollte ich denn anderes machen. Wenn man was erreichen will, dann darf man nicht schüchtern sein. Da muss man schon den Mut haben ab und zu ins kalte Wasser zu springen.






