Ich hasse es wie die Pest, zu lügen.Charlize Theron
- VF
- Sie kamen mit 18 Jahren aus einer Kleinstadt in Südafrika nach Amerika. War da der Kulturschock nicht vorprogrammiert?
- C.T.
- Sicher. Es war schon ein weiter Weg von unserer Farm bei Benoni, in der Nähe von Johannesburg, nach Los Angeles. Aber da hatte ich den Kulturschock, den ich in Paris und in New York bekommen hatte, schon hinter mir.
- VF
- Sie haben damals als Model gearbeitet...
- C.T.
- ... aber nur für ein paar Monate. (Lacht) Das war sozusagen eine Jugendsünde. Ich hatte mit 16 Jahren eben einen dieser unsäglichen Schönheitswettbewerbe gewonnen und da haben sie mich gleich auf Model-Tour geschickt. Mein Herz gehörte eigentlich dem Ballett-Tanz. Dafür bin ich damals auch nach New York gegangen, um Tanz zu studieren. Aber da habe ich mir dann mein Knie verletzt – und aus der Traum.
- VF
- Den anderen Traum, nämlich Schauspielerin zu werden, haben Sie anfänglich durchaus mit viel nackter Haut zu forcieren gewusst.
- C.T.
- So würde ich das nicht sagen. Ich habe mich nie nur einfach zur Schau gestellt. Es hatte schon immer sehr viel mit dem Charakter oder der Geschichte der jeweiligen Figur zu tun. Ich habe aber durchaus ein eher unbefangenes Verhältnis zu meinem Körper und zur Nacktheit im Allgemeinen. Da bin ich offenbar etwas freizügiger erzogen worden als andere, zumal hier in den USA, wo mich eine gewisse Prüderie immer noch überrascht.
- VF
- Gibt es für Sie auch eine Kehrseite des Erfolgs?
- C.T.
- Sie meinen abgesehen von den Paparazzi, die mitunter lästig wie Schmeißfliegen sein können? Oder die durchgeknallten Typen, die gelegentlich versuchen meinen Müll durchzuwühlen? Natürlich ist der zeitweilige Verlust des Privatlebens nervig. Es gibt tatsächlich Leute, die denken wohl, als Hollywoodstar gehöre man rund um die Uhr ihnen. Immer und überall. Was für eine Anmaßung!
- VF
- Wie reagieren Sie denn auf solche Vereinnahmungen?
- C.T.
- Zunehmend lockerer. Denn wenn man wirklich privat sein will, dann schafft man das auch. Ich treffe mich oft mit Freunden, da kochen wir zusammen, trinken guten Wein und rauchen auch schon mal eine Zigarette.
- VF
- Was man in L.A. am liebsten mit der Todesstrafe ahnden würde.
- C.T.
- (Lacht) Wie Recht Sie haben! Aber ich versuche mich nicht mit so etwas zu belasten. Das Leben ist viel zu kurz für diese lustfeindliche Bigotterie. Ich halte mich lieber an die schönen Dinge, die jeder Tag bringen kann
- VF
- Zum Beispiel?
- C.T.
- Ich hatte das Glück, dass meine Mutter mich schon sehr früh in die Welt der Kunst eingeführt hat. Musik, Literatur, Theater, Ballet, die Malerei - was für wunderbare Dinge! Und wie unerschöpflich. Je mehr man davon weiß, desto aufregender wird es. Mein Lieblingsdichter ist übrigens Rainer Maria Rilke. Den kann ich sogar auf Deutsch lesen. Das hat mir meine Mutter - die ja Deutsche ist - beigebracht.






