Veränderungen durch Schocks: Darum geht es in

Veränderungen durch Schocks: Darum geht es in "The Shock Doctrine"

"The Shock Doctrine" von Regisseur Michael Winterbottom

Obwohl Kleins Argument mit zahlreichen Beispielen und Details unterfüttert ist und sich nicht zuletzt durch Aussagen von Friedman und seinen Schülern (z.B. Donald Rumsfeld) belegen lässt, leidet es darunter, zu viele Detail der Weltgeschichte aus zu wenigen und zu einfachen Gründen heraus erklären zu wollen.

Der Film hat einige seiner Schwächen vom Buch geerbt: vor allem die Analogie, die Klein zieht, zwischen der Elektroschockbehandlung von Psychiatriepatienten, der Elektrofolter von militärischen Gefangenen und dem Schock, den Gesellschaften bei einem Krieg erleiden, wirkt zwar emotional mitreißend, aber intellektuell wenig überzeugend.

Ein wichtiger Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion

Insgesamt mangelt es Winterbottoms Film an Struktur. Eine überwältigende Vielzahl (meist unscharfer) historischer Aufnahmen und Zahlen prasselt auf den Zuschauer ein, ohne dass sie immer eine klare Position im Argumentationsstrang erhalten. Anders als in "Encirclement", der auch auf der Berlinale läuft, versucht "The Shock Doctrine" vor allem mit Assoziationen und Suggestionen, statt mit theoretischem Tiefgang zu überzeugen. Das klappt nicht immer gut, allerdings läuft der Film auf der Berlinale noch als "Work in Progress" - vielleicht findet sich im Schnittraum ja noch eine stringentere Form. Trotz der dramaturgischen und inhaltlichen Schwächen ist "The Shock Doctrine" ein wichtiger Beitrag zur gegenwärtigen politischen und ökonomischen Diskussion.

Joscha Bach - 13. Februar 2009

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