Barbe Bleue

Catherine Breillat ("À ma soeur", "Romance") hat uns in der Vergangenheit immer wieder mit einer schmerzhaften und, nun ja: gynäkologischen Perspektive auf das Seelenleben identitätssuchender junger Frauen konfrontiert. Das Märchen vom Ritter Blaubart bietet in dieser Hinsicht einiges an Stoff, weshalb der Rezensent (und seine Sitznachbarin, die französische Filmkritikerin Marie-Pauline) um ihre zarten Gemüter fürchteten, als der Vorhang sich hob. Steht uns wieder eine erbarmungslose Expedition ins Reich der Körperflüssigkeiten und der Seelenfiletierung bevor? Werden wir, die Zuschauer, ohne bleibende Schäden daraus hervorgehen?

Zu unserer Erleichterung erwiesen sich alle Befürchtungen als unbegründet. Breillat lässt das schaurige Märchen von zwei knopfäugigen Siebenjährigen vorlesen und inszeniert es parallel dazu als braves Passionsspiel mit dem Flair eines Mittelaltermarktes. Blaubart entpuppt sich als brummeliger, väterlicher Blaubär. Bei den beiden Frauenfiguren handelt es sich um ohne größere Identitätsverwerfungen heranwachsende Cembalistinnen, die nach dem Unfalltod des Vaters von der Klosterschule ins verarmte mütterliche Heim zurückwechseln. Die greulich dahingemordeten Exfrauen des Unholds hängen brav und unaufdringlich an ihren Fleischerhaken, bis ihre Entdeckung den Film vom Sujet "Die Schöne und das Biest" in "Judith und Holofernes" wendet.

Selbstverständlich ist "Barbe Bleue" bis zum Anschlag mit symbolistischen Metaphern aufgeladen, strahlt aber trotzdem den naiven Charme einer Kleinmädchenmeditation aus. Ist Catherine Breillat am Ende aller Selbsterkenntnisbemühungen ein Backfisch geblieben?

Joscha Bach - 10. Februar 2009

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