"Im Krieg des Filmgeschäfts"
Zum Filmstart von „Australia“: Baz Luhrmann über das Marketing-Problem und Bollywood, seine Gattin über die schönsten Kostüme
Ihr ganzes Leben ist ein kreativer Prozess, und den teilen sie sich: Baz Luhrmann und Catherine Martin arbeiten nicht nur zusammen, sie sind auch verheiratet. Während er auf dem Regiestuhl sitzt, entwirft sie die Filmsets und Kostüme. Kurz vor dem Filmstart ihres gemeinsamen Projekts „Australia“, der am 25. Dezember anläuft, sind die beiden nach Berlin gekommen. Dort sprach Baz Luhrmann über Vermarktungs-Lügen in der Filmbranche und seine Kinder, während Catherine Martin im Video-Interview verriet, warum sie während der Dreharbeiten zwei Schauspieler fast umgebracht hätte.
- VANITYFAIR.DE:
- „Australia“ ist das Gegenteil von ihren früheren Filmen „William Shakespeares Romeo und Julia“ und „Moulin Rouge“. Wie kam es zu diesem Wechsel?
- Baz Luhrmann:
- Ich habe mich an eine Leidenschaft aus meiner Kindheit erinnert: Damals habe ich Kino geliebt, das Comedy, Romanze, Action und Drama in einem Film vereint. Alle Arten von Menschen kamen zusammen. Die Idee, einen Film über Australien zu machen, kam mir, als unsere Kinder auf die Welt kamen.
- VANITYFAIR.DE:
- Was hat Australien mit Ihren Kindern zu tun?
- Baz Luhrmann:
- Wir lebten in Paris und fragten uns, wo die Heimat unserer Kinder sein soll – die Antwort war Australien. So ist das Projekt „Australia“ entstanden. Wenn ich einen Film drehe, überlege ich mir nicht, ob er gut für meine Karriere ist oder viel Geld einspielt. Davon gibt es schon mehr als genug. Ich überlege mir vielmehr, was in meinem Leben fehlt und wo ich als Individuum, Ehemann und Familienvater hin will. Im Anschluss daran suche ich nach dem passenden Projekt.
- VANITYFAIR.DE:
- In „Moulin Rouge“ wollten sie Realität und Emotionen mittels Künstlichkeit erzeugen. Ist „Australia“ durch und durch authentisch?
- Baz Luhrmann:
- Es ist eine Mischung. Wir haben „Australia“ zwar vor Ort gedreht, diesen aber manipuliert – das Haus, in dem Nicole Kidmans Figur lebt, war vorher ebenso wenig da wie der Affenbrotbaum, der davor steht. Wir haben die Szenen wie Gemälde gestaltet und uns die DNA der 30er-Jahre geliehen. Aber die Zeiten, in der es wie in "Vom Winde verweht" wirklich funktioniert hat, Genres zu vermischen, sind vorbei.







