Andrea Sawatzki, 45
Geboren am 23.2.1963 in Schlehdorf am Kochelsee. Nach der Schauspielschule und Theaterrollen in München wurde sie 1988 von Dieter Dorn für "Faust - der Film" engagiert. Sie lebt mit dem Kollegen Christian Berkel und den gemeinsamen Söhnen Moritz (9) und Bruno (6) in Berlin.
- VF:
- Kann man mit Ihnen gut streiten?
- A.S.:
- Früher war ich sehr jähzornig und im Streiten nicht gut, weil ich mich immer gleich angegriffen fühlte. Mittlerweile kann ich es besser in Worte fassen, wenn mich etwas stört.
- VF:
- Geht es jetzt mehr um die Sache als um die Emotionen?
- A.S.:
- Jetzt geht es nicht mehr darum, jemanden zu verletzen. Das ist erst so, seitdem ich Christian begegnet bin. Vor ihm hatte ich keine langen Beziehungen. Ich habe es nie lange bei einem Mann ausgehalten, weil es mir immer schnell zu nah wurde.
- VF:
- Wird das Leben mit dem Älterwerden leichter oder schwieriger?
- A.S.:
- Ich finde, es wird leichter. Man verschwendet nicht mehr so viel Kraft für Nichtigkeiten. Ich konnte mich früher über alles wahnsinnig aufregen und habe das mit Temperament verwechselt. Irgendwann habe ich mir dann eine Strategie für das Älterwerden zurechtgelegt.
- VF:
- Welche?
- A.S.:
- Ich habe mich gefragt: Möchte ich weiter durchs Leben rennen und meine Energien in alle Richtungen verpuffen lassen oder zielstrebig einen Weg finden, auf dem ich mich wohlfühle? Außerdem habe ich doch eine gewisse Vorbildfunktion: Ich möchte meinen Kindern Ruhe vermitteln, ich möchte, dass sie Vertrauen haben, möchte sie auffangen können.
- VF:
- In „Brüderchen und Schwesterchen“, wo Sie die böse Stiefhexe geben, sagt Ihr Ehemann, den Sie eine halbe Sekunde später vergiften: „Was mein ist, soll auch dein sein.“ Wie leicht war die Vorstellung für Sie, Ihr Leben zu teilen?
- A.S.:
- Als ich Christian kennenlernte, hatte ich zum ersten Mal überhaupt den Wunsch, eine Familie zu gründen. Ich wusste, ich kann mich anlehnen, und ich wusste, er wird sich auch anlehnen wollen und nicht weglaufen.
- VF:
- Sie wurden, drei Monate nachdem Sie einander kennengelernt hatten, schwanger mit Ihrem Sohn Moritz. Hatten Sie eigentlich je Zeit zu zweit?
- A.S.:
- Wir waren jetzt, im elften Jahr, in dem wir zusammen sind, das erste Mal ohne Kinder eine Woche in Spanien. Und es war… hm. Man ersehnt sich den Augenblick herbei, mal sieben Tage allein zu sein, ohne dass dauernd ein Kind kommt und sagt: „Ich kann nicht schlafen.“ Wir waren gar nicht gewohnt, mal eine Stunde lang zusammenhängend miteinander zu reden. Aber ab dem dritten Tag ging es dann, und von da an war es richtig schön.
- VF:
- Ist Christian Berkel als Vater auch so im Einsatz wie Sie als Mutter?
- A.S.:
- Auf jeden Fall. Er hat von Anfang an genauso viel gemacht wie ich. Er hat die Kinder gewickelt und überall hingefahren und wieder abgeholt, spielt mit ihnen und ihren Freunden, kocht.
- VF:
- Gibt es in einer Schauspielerehe auch Konkurrenzgedanken?
- A.S.:
- Bei uns nicht. Wir sind glücklich für den anderen, wenn ihm ein guter Job angeboten wird. Ich bin dann wahnsinnig stolz – und wenn er glücklich ist, dann überträgt sich das auf mich.
- VF:
- Sind Sie eitel?
- A.S.:
- Ja. Aber ich werde entspannter. Mittlerweile gehe ich auch mal ungeschminkt auf die Straße. Wobei ungeschminkt für mich bedeutet: Wimperntusche und roter Lippenstift. Früher bin ich nicht ohne den ganzen Rest aus dem Haus gegangen. Wenn ich also die Kinder um viertel vor acht in die Schule fahren musste, bin ich um sechs aufgestanden. Inzwischen habe ich mehr Vertrauen in mein Aussehen.
- VF:
- Würden Sie sich liften lassen?
- A.S.:
- Ich denke, hierzulande ist es nicht notwendig, sich das Gesicht machen zu lassen. Ich glaube nicht, dass das Publikum diese makellosen Frauen sehen will – es ist fasziniert von einer Monica Bleibtreu, einer Hannelore Hoger: Man möchte doch das Leben sehen. Und wir sind doch Schauspieler, um aus dem Leben zu erzählen.



