Angst vor dem Älterwerden? Im Gegenteil.

Angst vor dem Älterwerden? Im Gegenteil. "Es wird immer leichter", sagt Andrea Sawatzki

Andrea Sawatzki, 45

Geboren am 23.2.1963 in Schlehdorf am Kochelsee. Nach der Schauspielschule und Theaterrollen in München wurde sie 1988 von Dieter Dorn für "Faust - der Film" engagiert. Sie lebt mit dem Kollegen Christian Berkel und den gemeinsamen Söhnen Moritz (9) und Bruno (6) in Berlin.

"Die Freiheit nehm ich mir"

Keine steckt so viel Seele in ihre Rollen wie sie - sogar den guten alten "Tatort" macht sie zur Fernsehsensation

Andrea Sawatzki sitzt auf ihrem Sofa im Wohnzimmer ihres Hauses am Berliner Schlachtensee vor einem Glas Saft. Christian Berkel – nicht ihr Ehemann, aber doch ihr Mann seit elf Jahren – bringt die beiden Söhne ins Bett, sucht nach dem speziellen Schlafanzug mit Camouflagemuster, ohne den der neunjährige Moritz kein Auge zutun will. Die Boxerhündin Calypso starrt in den dunklen Garten und legt sich anschließend auf ein Sitzkissen von Fendi – eigentlich ein Geschenk Berkels an Sawatzki und nicht für Hunde gedacht. Die Familie wohnt erst seit September in dem alten Haus, das sehr modern umgebaut wurde und sparsam eingerichtet ist. Andrea Sawatzki spricht konzentriert, denkt lange nach, und wenn sie lacht, ist es ein offenes und sehr vergnügtes Lachen.

VANITY FAIR:
Frau Sawatzki, die von Ihnen gespielte „Tatort“-Kommissarin Charlotte Sänger ist extrem dünnhäutig – ein falsches Wort, und sie fällt zusammen. Wie viel von Ihnen selbst steckt in der Figur?
Andrea Sawatzki
Charlotte ist eigentlich mein Seelenmülleimer. Diese ganzen Ängste, dieses Undurchschaubare, dieses Lebensfremde – das sind alles Facetten von mir, die ich im täglichen Leben niemandem zeigen möchte. Durch Charlotte habe ich die Möglichkeit, das auch mal rauszulassen.
VF:
Sind Sie im richtigen Leben kontrolliert?
A.S.:
Ja. Es ist oft gut, nicht zu durchsichtig zu sein, sondern erst einmal tief durchzuatmen, ehe man reagiert. Auch in meiner Beziehung versuche ich, mir nicht alles anmerken zu lassen und erst in einem ruhigen Moment über etwas zu reden, was mich getroffen hat. Nicht in einer Stresssituation, das würde unseren Rhythmus stören.
VF:
Das klingt nach jahrelanger Übung.
A.S.:
Ich musste lernen, meinen Freiraum zu behaupten, zu akzeptieren, dass Kinder eben keine Rücksicht nehmen, auch wenn ich als Mutter vor allem anfangs chronisch müde war. Ich habe gelernt, meine Kraft nicht zu verschwenden, die Kinder nicht dauernd zu bevormunden und anzunörgeln. Ich möchte anderen Menschen ihre Freiheit lassen, also ziehe ich mich lieber zurück und versuche, das allein zu bewältigen.
VF:
Machen Sie dafür Yoga wie viele Ihrer Kollegen, oder meditieren Sie?
A.S.:
Um Gottes willen, nein, dafür bin ich gar nicht der Typ. Bei Tai-Chi oder Yoga werde ich ganz nervös. Ich brauche eher Extremsport, ich jogge möglichst jeden Tag, einmal um den Schlachtensee und dann noch um die Krumme Lanke. Wenn ich drehe, suche ich mir immer Hotels, die entweder ein Schwimmbad haben oder einen Fitnessraum, am besten beides. Damit ich mich sofort, wenn wir mit dem Drehen fertig sind, über die Bewegung abreagieren und wieder sammeln kann.
VF:
Haben Sie auch Heimweh, wenn Sie länger weg sind von zu Hause?
A.S.:
Ich glaube schon. Wenn man als Kind viel allein war, hat man immer diese Angst, verlassen zu werden – die wird man irgendwie sein Leben lang nicht mehr los.
VF:
Telefonieren Sie dann viel?
A.S.:
Ich telefoniere sonst eigentlich nie, aber während der Drehpausen hänge ich ständig am Telefon. Wenn ich nicht genau weiß, wo die Kinder sind, werde ich verrückt.
VF:
Wissen Sie immer, wo Christian Berkel ist?
A.S.:
Nein. Der kann ja schon auf sich selbst aufpassen. Wir wissen ungefähr, wo wir sind, aber nicht die genauen Tagesabläufe oder wer sich wann mit wem trifft. Wir haben absolutes Vertrauen zueinander.

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