Christian Karl Gerhartsreiter steht vor Gericht

Christian Karl Gerhartsreiter steht vor Gericht

Er muss gewusst haben, dass die Flucht mit Reigh sein Ende bedeuten würde. Die Figur Rockefeller war zu groß, um verloren zu gehen. Schon Monate zuvor hatte er in Baltimore ein Haus und ein kleines Boot gekauft. Am 2. August stellt ihn dort die Polizei. Seitdem sitzt er wegen Kindesentführung im Gefängnis. Er bleibt dabei: Er leide unter partieller Amnesie, lässt er über seinen Anwalt ausrichten.

Die Polizei würde Gerhartsreiter, von dem sie nun genau weiß, dass er identisch ist mit Chichester, gern zu dem verschwundenen und wahrscheinlich ermordeten Pärchen aus Kalifornien befragen. Aber er will sich nicht einmal daran erinnern können, Chichester gewesen zu sein. In dieser Woche soll der Prozess gegen ihn beginnen, zunächst nur wegen Kindesentführung. 30 Jahre lang hat Christian Karl Gerhartsreiter seiner Umgebung gleich mehrere Leben vorgespielt. Und wahrscheinlich auch sich selbst. Vielleicht weiß er inzwischen tatsächlich nicht mehr, wer er ist. Sein Talent, Geschichten zu erzählen, hat Gerhartsreiter aber nicht verloren: Im Interview beschreibt er, wie er in New York mit dem früheren amerikanischen Außenminister Henry Kissinger immer die Hunde ausgeführt habe: „Mein Hund Yeats war so verliebt in Kissingers Hund Amelia.“

Uta Schwarz / Vanity Fair - 10. September 2008

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