Aus dem unauffälligen Jungen von damals sollte einer der größten Hochstapler unserer Zeit werden. 15 Jahre lang lebt Christian Karl Gerhartsreiter als Clark Rockefeller, gibt sich als entfernter Angehöriger eines der bekanntesten Industriellenclans der Vereinigten Staaten aus. Als Rockefeller geht er in der New Yorker Kunstszene ein und aus, unterschreibt Schecks für wohltätige Zwecke und ist auf allen Partys gern gesehen.
Wie aus Gerhartsreiter Rockefeller geworden ist – daran kann sich Christian Karl angeblich nicht erinnern. Die Polizei hat sein Leben inzwischen rekonstruiert. Nach dem Austauschjahr bleibt der Bayer in den Vereinigten Staaten. Etwa 1982 taucht ein gewisser Christopher Chichester in San Marino auf, einem Städtchen in Kalifornien. 1985 sagt Gerhartsreiter seinen Eltern am Telefon, er habe sich diesen Namen zugelegt, weil die Amerikaner seinen Geburtsnamen so schwer aussprechen können. Es ist das letzte Gespräch mit seiner Familie.
Zur selben Zeit verschwinden die Tochter seiner Vermieterin und deren Mann auf ungeklärte Weise. Hat Gerhartsreiter alias Chichester etwas damit zu tun? Die Polizei weiß es bis heute nicht.
Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander
Ab 1985 scheint sich Gerhartsreiters Spiel mit den Identitäten zu verselbstständigen, klaffen Wunsch und Wirklichkeit immer weiter auseinander. Dem Chef der Handelskammer von San Marino erzählt er, er sei ein entfernter Verwandter des englischen Lord Mountbatten. Bei einer anderen Gelegenheit sagt er, seine Eltern seien entführt worden und er müsse Lösegeld zahlen. Das eine Mal arbeitet er für das Pentagon, das nächste Mal für die Nasa oder an der Wall Street. Dann nennt er sich auf einmal Christopher Crowe. Gerhartsreiter hat mittlerweile viele Leben. Anfang der 90er-Jahre hat er dann offenbar die Rolle seines Lebens gefunden: Er zieht nach New York, und aus Gerhartsreiter/Chichester/Crowe wird Clark Rockefeller.







