Das Florent war Treffpunkt für Künstler und Stars

Das Florent war Treffpunkt für Künstler und Stars

In den 90ern etablierte es sich dann als Institution, als Kneipe, Kulturzentrum, Hauptquartier für AIDS-Aktivisten, Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und Club-Kids, die hier rund um die Uhr aßen, tranken, feierten, trauerten – oder einfach auf der rot gepolsterten Bank des Bistros ihren Rausch ausschliefen. Zum Schluss war der Franzose das letzte Stück echtes New York in einer Landschaft, die heute von Chichilokalen, Edelboutiquen, einem Apple-Store und der dazugehörigen "Sex and the City"-Klientel beherrscht wird. "Es war New York, wie es sein sollte, aber leider nicht mehr ist", trauert der Designer Isaac Mizrahi.

Dabei gab das Florent auf den ersten Blick nicht viel her. Wirt Florent Morellet (54), Sohn des Op-Art-Künstlers François Morellet, hatte die Einrichtung des Diners aus den 40er-Jahren kaum verändert: Tische aus Resopal, verchromte Wände, und von der Decke strahlten Neonlampen – allerdings in Pink. Der Charme lag im Detail: Die Speisekarten zum Beispiel wurden vom legendären Grafikdesigner Tibor Kalman entworfen, die Kellner trugen Hochfrisuren und Hotpants und waren eigentlich Performancekünstler oder Tänzer. Und erst die Gästeliste: Madonna, Jodie Foster, Calvin Klein, Johnny Depp, alle kamen, und manche, wie der Maler Roy Lichtenstein, sogar täglich. Unter einer Landkarte des Fürstentums Liechtenstein aß er jeden Mittag sein Couscous.

Drei Tage habe ich geweint
François Morellet

Dabei verkam das Florent nie zum schnöden Promilokal. Stars wurden hier wie jeder andere Gast behandelt – was nicht immer allen gefiel: Diana Ross stürmte empört davon, nachdem ein angeheiterter Transvestit einen ihrer Songs schmetterte.

Am 29. Juni, nach 23 Jahren und einer Abschiedsparty, die ein Theaterregisseur als "fünf Phasen des Sterbens" iszenierte, heißt es endgültig: Adieu, Florent! "Drei Tage habe ich geweint", gesteht Morellet. "Doch ich freue mich auf die Zukunft, die wie ein weißes Blatt Papier vor mir liegt." Warum auch nicht? Am Ende war Morellet Opfer seines eigenen Erfolges. "Alle jammern über die hohen Mieten, den Kommerz im Meatpacking District", erklärt Stammgast Diane von Fürstenberg die Ironie. "Dabei war das Florent selbst der Grund, warum sich Leute überhaupt wieder hierher trauten."

Severin Mevissen / Vanity Fair - 16. Juli 2008

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