Ihr Kinderlein kommet
Jagdfieber in Nizza: Wer hat das erste Bild von Angelina Jolie und den Zwillingen? Ein Ortsbesuch
Die vage Möglichkeit, mit einer einzigen Handbewegung im Bruchteil einer Sekunde mindestens 10 Millionen Dollar zu verdienen, lässt so manchen Glücksritter so manches ausprobieren. Einige nehmen sogar unbezahlten Urlaub – nur um in Nizza im Schatten zwischen parkenden Autos zu warten. Und auf ein Krankenhausgebäude zu starren. Denn die Nachricht, dass Angelina Jolie in eine südfranzösische Klinik eingeflogen ist (standesgemäß mit dem eigenen Hubschrauber), um ausgerechnet hier ihre Zwillinge zu gebären, hat die europäischen Paparazzi elektrisiert. Und vor allem: die ganz normalen Einwohner Nizzas.
Am Sonntag, den 29. Juni betrat die immer wieder mal "erotischste Frau der Welt" (nebst Leibwächtern) die Klinik Lenval, die von dem neuen Lebensmittelpunkt in einem abgelegenen Dorf in der Provence nur etwa 140 Kilometer entfernt liegt. Während Lebensgefährte Brad Pitt mit der leiblichen Tochter Shiloh (2) und den drei Adoptivkindern Maddox (6), Pax Thien (4) und Zahara (3) im neu erstandenen Waldschloss zurückblieb, um nur sporadisch zu einem Besuch aufzutauchen. Also haben wir uns dazugesellt, dazwischengesetzt, auf den Bürgersteig, um ein wenig davon zu erhaschen: vom großen Hollywoodglanz und der Sonnenseite des Lebens. Schließlich steht hier ein Ereignis an, das höchstens noch mit der Wiedergeburt des künftigen Dalai Lama zu vergleichen ist. Und dieses letztlich noch weit übertrifft.
Bevor sie Hollywoodschweiß riechen konnten, sind sie rausgeflogen
Es geht im Folgenden aber weniger um Babylächeln und Babywindeln, sondern ehrlicherweise um: Autoabgase. Denn das auserkorene Krankenhaus liegt zwar gegenüber der Strandpromenade (grober Kiesel übrigens, kein Sand), aber auch an einer sechsspurigen Schnellstraße. Einmal schlendert die zwölfjährige Josephine in Badesachen an uns vorbei und erzählt unaufgeregt, dass sie sich mit ihrer Freundin hineingeschmuggelt habe – "bis in den fünften Stock". Sie haben sich Patientennamen besorgt und oben überall als Begründung angegeben, dort gestern einen Besuch gemacht und etwas vergessen zu haben. "Aber Angelina liegt in einem separaten Trakt" (vier Räume für sie, den spontanen Brad, und die Sicherheitsleute), und bevor Josephine und Freundin auch nur Hollywoodschweiß atmen konnten, habe man sie schon rausgeschmissen.
Die Klinik selbst hat eher die Anmutung einer vorstädtischen Bankfiliale in Saudi-Arabien, je nach Sonnenstand auch eines Museums für moderne Kunst, gestiftet von einem Wurstfabrikanten in den 70er-Jahren. Wenn Angelina aber hier aus dem fünften Stock hinausschaut, dann hat sie gleich das unendliche Meer im Blick, und sie kann Flugzeuge aus aller Welt starten und landen sehen, die in einer Schleifenbewegung am Krankenhaus vorbeiziehen. Wichtig dabei: Lenval ist keine Privatklinik. Es ist ein öffentliches Krankenhaus. Vor dem Haupteingang rauchen und husten die gleichen Bademantelträger wie in Wanne-Eickel, während pausenlos Autos hupen.






