- M.F.
- Würde es Ihnen was ausmachen, wenn sich herausstellte, dass Ihr Großvater jüdisch ist oder Ihre Großmutter?
- H.M.
- Da wäre ich doch blöd, ich kann doch nicht irgendwas jetzt negativ empfinden, was mich schicksalshaft bestimmt dadurch, dass ich der Sohn einer bestimmten Person bin, die die und die und die rassischen und nationalen Merkmale hat. Sondern ich habe es Ihnen schon mal gesagt: Was immer ich wäre, ich würde so aus meiner heutigen Sicht mich bemühen, zu erkennen, was meine Aufgabe ist, und danach handeln. Und das ist jeweils unterschiedlich. Als Jude habe ich eine andere Aufgabe als als Deutscher.
- M.F.
- Das heißt, für Sie ist es undenkbar, dass es einen deutschen Juden gibt?
- H.M.
- Es gibt Juden, die hatten die deutsche Staatsangehörigkeit unter dem Reich erworben.
- M.F.
- Und die habt ihr umgebracht, okay.
- H.M.
- Ja. Moment mal. Wo sind denn die vielen Juden, die plötzlich hierherkommen und Wiedergutmachungsansprüche gestellt haben, weil ihnen Grundstücke, die sie vorher hatten, genommen worden sind.
- M.F.
- Sind ja nicht so viele. Sie haben ja nicht alle umgebracht, das stimmt. Aber noch mal die Frage ...
- H.M.
- Nein, also ich dementiere ganz entschieden ...
- M.F.
- ... gibt es einen deutschen Juden?
- H.M.
- ... das, was Sie hier unterstellen: Das Deutsche Reich hat die Juden nicht systematisch in dem Sinne umgebracht. Es sind Juden zu Tode gekommen. Es sind auch Juden hingerichtet worden.
- M.F.
- Das reicht.
- H.M.
- Ja? Gut.
- M.F.
- Wie verabschieden Sie sich? So, wie Sie reingekommen sind? Oder wie ist der Abschiedsgruß? Ich meine, den Eingangsgruß habe ich ja jetzt mitbekommen. Wie verabschiedet sich ein deutscher Reichsvertreter?
- H.M.
- Leben Sie wohl.
- M.F.
- Aha. Früher hat man immer wieder "Heil Hitler" geschrien, nicht?
- H.M.
- Das weiß ich nicht.
- M.F.
- Danke.
- H.M.
- Ja.






