Chef-Nazi Horst Mahler

Chef-Nazi Horst Mahler

M.F.
Och, wissen Sie, da bin ich ganz in Ihrem "Klappen"-Sinn
H.M.
Na, bitte. Also dann hören Sie sich das das doch mal an. Das mit der Berufung hat etwas damit zu tun, dass man sich qualifiziert, um sich mit einem Thema kompetent auseinanderzusetzen. Das ist ja auch die Auffassung von Beruf. Wir haben keine Jobs, Deutsche haben Berufe. Und ich habe mich für diese Auseinandersetzung – so gut es ging und so gut ich es verstehe – qualifiziert.
M.F.
Das heißt, Sie sind trotzdem qualifizierter als viele andere?
H.M.
M. Ich habe mich mit diesem Thema intensiver beschäftigt als andere.
M.F.
(lacht) Sie halten es nicht aus, nicht? Das ist ganz blöd, wo wir uns jetzt befinden. Weil, wenn Sie sagen, Sie sind berufen ... Dialektisch – und Sie kommen ja noch aus einer Zeit, wo Sie denken konnten ...
H.M.
Danke, danke.
M.F.
... dialektisch bedeutet, wenn einer berufen ist, sind die anderen nicht berufen. Ist dumm gelaufen.
H.M.
Die Frage ist, warum unterhält sich Michel Friedman mit jemandem, der nicht mehr denken kann?
M.F.
Na ja, also mich interessieren alle Menschen auf dieser Welt. Im Gegensatz zu Ihnen spreche ich ja nicht von erster und zweiter Qualität Mensch. Sind übrigens Juden so viel wert wie Nichtjuden?
H.M.
Wissen Sie, Juden sind anders. Sie sind die Negation zu den anderen, und insofern tragen sie ein schweres Los. Und deswegen wird ihnen ja auch die Weltherrschaft versprochen als Kompensation dafür, dass sie die Gehassten sind bei den Völkern.
M.F.
Sind sie weniger wert oder nicht? Ja oder nein?
H.M.
Ich mache keine Wertunterschiede, sondern ich stelle fest, was sie in dieser Auseinandersetzung Gottes in sich selbst sind. Wie man das bewerten ... Sie sind notwendig, und deswegen sage ich: Sie sind ein Teil von uns. Ich bringe aber das Beispiel ...
M.F.
Sie sind ein gläubiger Mann.
H.M.
Ja, sehen Sie mal, wenn ich einen Gedanken entwickeln will, gehen Sie immer dazwischen. Warum machen Sie das? Haben Sie Angst vor diesem Gedanken?
M.F.
Ich habe wirklich keine Angst vor Ihnen.
H.M.
Na, dann bitte. Ich will Ihnen gerade sagen, was Juden für mich sind. So wie man also einen Entwicklungsgang bei einem Insekt sieht, das ist erst ein Ei, dann ist es eine Raupe, dann ist es eine Puppe und dann ein Schmetterling, in dieser Phase der Entwicklung sind die Juden ein notwendiges Moment – aber in ihrer Negativität. Und deswegen werden sie überall zu allen Zeiten gehasst und verfolgt. Das ist ein schweres Schicksal. Steht bei Jesaja: Weil sie die Gehassten gewesen sind.
M.F.
Achtzig Prozent der Deutschen hassen nicht Juden
H.M.
Aber, na sicher, die Deutschen sind Judenfeinde, weil die Juden Feinde der Deutschen sind. Ob das mit Hass verbunden ist, das ist die Sache der jeweiligen Psychologie.
M.F.
Wären Sie gerne Jude?
H.M.
Wenn ich Jude wäre, das wäre dann mein Schicksal, und dann würde ich versuchen, mit diesem Schicksal meine Pflicht zu tun.
M.F.
Wären Sie gerne Jude?
H.M.
Nein. Ich bin froh, dass ich Deutscher bin.
M.F.
Welchen Glauben haben Sie? Ich rede immer vom Glauben, und Sie reden immer von Deutschen. Also die Antwort auf: Jude, ich bin nicht gern Jude, ist: Ich wäre gerne Moslem, ich wäre gerne Buddhist.
H.M.
Wissen Sie, nach deutschem Verständnis sind die Völker, so sie Staaten sind, Gestalten Gottes. Und wenn ich also als Deutscher mich begreife, dann als Angehöriger des Deutschen Reiches, das ein Staat ist und als dieser Staat eine Gestalt Gottes. Und an diesen Gott glaube ich.
M.F.
Was ist das für ein Gott, ein christlicher Gott?
H.M.
Sicher, er ist identisch mit dem christlichen Gott, der eben alles in sich fasst und nicht die Welt und die Menschen aus sich ausschließt und nur ein auserwähltes Volk sich als Werkzeug zur Vernichtung aller anderen Völker aussucht.
M.F.
Wie gehen Sie dann mit dem Papst um, dem verstorbenen und dem jetzigen Papst, der ausdrücklich sogar betont, dass der Katholizismus sich entwickelt hat aus dem Judentum und in Dankbarkeit die Koexistenz lebt? Sind das Verräter für Sie? Ist der Papst ein Verräter an Ihrem Glauben?
H.M.
Also ich würde sagen, die Juden haben es geschafft, die katholische Kirche restlos in ihren Machtbereich einzubeziehen. Ich meine aber, dass die katholische Kirche auch in der Zukunft eine noch größere Bedeutung haben wird, als sie je in der Vergangenheit hatte. Sie wird die Institution sein, die weltweit diese konfessionellen Gegensätze Judaismus, Mohammedaismus, Christentum überwindet, aufhebt im Hegel’schen Sinne in einer Geisteserkenntnis, die uns frei macht. Die Wahrheit macht uns frei. Das gilt auch für die Juden. Das gilt für die Moslems.
M.F.
Ich werde Sie wieder unterbrechen.
H.M.
Ja, bitte, jetzt können Sie.
M.F.
Ungern, einfach, weil Sie meine Frage noch nicht beantwortet haben. Also noch einmal: Was ich gehört habe, ist, dass die Juden mittlerweile auch im Vatikan herrschen. Der letzte Papst und der momentane Papst sind, was das Judentum angeht, auf einem ganz anderen Weg als Sie.
H.M.
Hm.
M.F.
Sie loben, sie rufen ihre Mitgläubigen auf, jede Form von Antisemitismus aufzugeben. Es gab sogar ein mea culpa. Ist der letzte Papst und ist der jetzige Papst in Ihrem Sinne ein Verräter an der deutschen Sache?
H.M.
Ja. Ganz eindeutig. Und sie verraten Papst Pius XII., stellen ihn hin als den Stellvertreter, der es gewusst hätte und hätte verhindern können. Und das wird sich zeigen, da es diesen Holocaust nicht gegeben hat, ist Papst Pius XII. zu rehabilitieren. Er ist nicht der, der er scheinen soll durch dieses Drama von Hochhuth. Das ist eine Aufgabe, die die katholische Kirche aufnehmen wird.
M.F.
Als ich jung war, sehr jung, waren Sie links. Stimmt der Satz? Also dass ich jung war, stimmt. (lacht) Ich war damals so zehn, zwölf. Stimmt der Satz?
H.M.
Wissen Sie, die Bestimmung "rechts", "links" ist eine alte Geschichte vom Standort dessen, der also vor dem Parlament steht und hat eine rechte und eine linke Hälfte. Daher kommt es. Ich bin immer nur der gewesen, der ich bin. Aber immer in Entwicklung. Und wenn jemand, der außen steht, sagt: "Das war rechts" oder "Das war links", dann ist das die Sache des Betrachters, nicht meine Sache.
M.F.
War die RAF, was Ihre Positionen angeht, dass die Juden des Teufels sind, waren Andreas Baader, Ensslin, Meinhof auch Ihrer Meinung, damals schon…?
H.M.
Ja, sicher. Nicht in dem Sinne, wie Sie es jetzt gerade ausgedrückt haben.
M.F.
In welchem Sinne?
H.M.
Sondern für uns war damals der Begriff "der US-Imperialismus", und jetzt sieht man klarer, was der US-Imperialis mus ist, und insofern: Der Feind ist derselbe. Die Mittel, ihn zu bekämpfen, haben sich gewandelt mit Erkenntnissen, die aus diesem Prozess erwachsen sind.

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