Chef-Nazi Horst Mahler

Chef-Nazi Horst Mahler

M.F.
Gut, also wollen Sie doch zurück? Gut, also wollen Sie doch zurück?
H.M.
Nein, nicht zurück, sondern wir gestalten die Zukunft Europas auf der Grundlage dessen, was heute unsere Interessen sind, und dazu gehört, dass die Nationalstaaten in Europa sich als solche wieder ...
M.F.
Welche Grenzen hat dann Deutschland?
H.M.
Deutschland hat die Grenzen, sagen wir mal, von 1871/1937. Sie können sich das aussuchen. Was dann letzten Endes realisiert wird, ist eine Frage der Macht. Das Recht ist eindeutig auf der Seite des Deutschen Reichs, dazu gehören die von Polen annektierten Gebiete, dazu gehören die von Russland ...
M.F.
Die wollen Sie zurückhaben?
H.M.
Ja, na selbstverständlich.
M.F.
Und von Russland auch?
H.M.
Ja. Wenn es denn überhaupt möglich ist im Interesse einer das Leben sichernden Politik.
M.F.
Aber die sagen: "Das wollen wir nicht mehr rückgängig machen." Müssen Sie es dann kriegerisch holen? Wenn Sie die Macht hätten?
H.M.
Sehen Sie, es gibt das Recht zu Krieg und Frieden. Und wenn Unrecht geschehen ist, wir beraubt worden sind, dann haben wir das Recht, das zurückzuholen. Ob wir es denn dann tun, das ist eine Frage, wie man sich ...
M.F.
Aber Sie würden theoretisch sagen, Deutschland hat heute, wie Sie davon träumen, wenn es ein Deutsches Reich gibt, Deutschland hat das Recht, einen Krieg zu beginnen, um seine Gebiete in Polen und Russland zurückzuholen?
H.M.
Ohne jeden Zweifel für mich.
M.F.
Erzählen Sie mir noch mal ein bisschen aus Ihrer Zeit mit Baader und Ensslin. Was ist da so mit Ihnen passiert?
H.M.
Sehen Sie, das waren Menschen, für die war nicht das Wohlleben, die Bequemlichkeit, ein normales Berufsdasein das Entscheidende, sondern wir waren irgendwie erfasst von den Prozessen, die in Euro-pa und in der Welt im 20. Jahrhundert vor sich gegangen sind. Und da wollten wir uns einbringen, und ich habe große Achtung, große Liebe vor diesen Menschen.
M.F.
Obwohl sie Menschen umgebracht haben?
H.M.
Ja, sehen Sie, es war Krieg, und es ist Krieg. Und sie waren der
Überzeugung...
M.F.
Ist heute Krieg?
H.M.
Ja, natürlich ist heute Krieg. Der Seelenmord am deutschen Volk geht täglich und intensiver vor sich.
M.F.
Also, Sie sagen, es war Krieg, und deswegen haben Sie Respekt und Liebe vor dem Töten, was Ensslin und Baader gemacht haben.
H.M.
Ich habe nicht gesagt Respekt und Liebe vor dem Töten. Vor diesen Menschen, die das getan haben.
M.F.
Distanzieren Sie sich davon, was die gemacht haben?
H.M.
Nein, natürlich überhaupt nicht. Überhaupt nicht.
M.F.
Aber wenn Sie sich nicht distanzieren, sind Sie doch der Meinung, dass das Instrument des Mordens damals in Ordnung war.
H.M.
Nein.
M.F.
Sie verurteilen das?
H.M.
Das ist keine Frage des Verurteilens, ich weiß, es war falsch. Und das hat zu dieser Erkenntnis geführt, die ich für wesentlich halte … Das ist keine Frage der Moral, sondern der Erkenntnis.
M.F.
Ich rede nicht von Moral. Aber die Distanzierung heißt, diese Handlung ohne jede jetzt moralische Bewertung ist falsch. Das Töten von Buback …
H.M.
... hat das Gegenteil dessen bewirkt, was beabsichtigt war.
M.F.
Das ist eine Frage, was man damit bewirkt. Aber hier zum Beispiel, Hanns Martin Schleyer, nehmen wir mal an, es hätte das bewirkt, es hätte gewirkt, wäre es dann richtig gewesen?
H.M.
Dann wäre es vertretbar.
M.F.
Also, wenn man das Ziel, was die RAF wollte, nämlich ein anderes Deutschland, durch die Tötung von Menschen erreicht hätte, dann wäre das Töten vertretbar?
H.M.
Wissen Sie, der Krieg ist Töten von Menschen.
M.F.
Ich will Sie ja … Glauben Sie mir, ich bin so präzise, weil ich Sie eben nicht in irgendetwas hineinlaufen lassen möchte. Umgekehrt: Ich nehme sehr ernst, was Sie gerade gesagt haben. Also noch einmal: Wenn das Ziel erreicht wird mit dem Töten im Krieg, den Sie ja auch heute noch sehen, diesen Krieg, ist dann das Töten solcher Leute vertretbar?
H.M.
Sie stellen die Frage in denunziatorischer Absicht.
M.F.
Nein!
H.M.
Ich werde sie richtig stellen und beantworten.
M.F.
Nein. Entschuldigung, wirklich, ich höre Ihnen nur zu. Sie haben gesagt, es ist vertretbar, wenn das Ziel erreicht wird.
H.M.
Ja.
M.F.
Ich greife es nur noch mal auf und sage: Wenn das Ziel erreicht wird, ist das Töten dieser Leute vertretbar? Ich sagte gar nicht "richtig" oder "falsch", ich bleibe bei Ihren eigenen Worten: vertretbar, ja oder nein?
H.M.
Wenn das Ziel, die Befreiung des deutschen Volkes damit erreicht werden kann, dann ist dieses Opfer vertretbar.
M.F.
So, Punkt.
H.M.
Punkt.
M.F.
Damit ich es nur richtig verstehe, wirklich, und es ist nicht denunziatorisch, ich will es nur präzise wissen. Das heißt: Wenn man heute mit ganz bestimmten Anschlägen mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen könnte, dass das Ziel, das Sie vor sich haben...
H.M.
Ja.
M.F.
… erreichbar wäre, dann ist auch das Töten von Menschen heute noch vertretbar?
H.M.
Das ist der Lauf der Welt. Ja.
M.F.
Okay. Dann habe ich es verstanden.
H.M.
Gut.

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