Chef-Nazi Horst Mahler

Chef-Nazi Horst Mahler

So spricht man mit Nazis (1)

Teil 1 des ungekürzten Vanity Fair- Interviews von Autor Michel Friedman mit Deutschlands Chef-Nazi Horst Mahler

Horst Mahler ist der Vater der RAF. Er war es, der Andreas Baader und Gudrun Ensslin Anfang der 70er-Jahre überzeugte, eine "Guerilla" gegen die angeblich faschistische Bundesrepublik aufzubauen. Heute ist Mahler ein Nazi. Als Anwalt bewahrte er die NPD vor einem Verbot. Mit seinen anti-semitischen Theorien inspiriert er die extreme Rechte wie sonst niemand in Deutschland. Wenn es einen Zusammenhang zwischen dem linken Wahnsinn von damals und dem rechten von heute gibt, dann ist Mahler die Schlüsselfigur.

Wir ahnten, dass es kein einfaches Gespräch werden würde, als wir ihn am 4. Oktober im Münchner Kempinski Airport-Hotel trafen. Aber ein zweistündiges Wortgefecht hatten wir nicht erwartet. Denn Mahler will nicht über die RAF sprechen. Er will über die Juden erzählen, die für ihn das göttliche Deutsche Reich unterdrücken. Über Hitler, seinen "Erlöser". Und über den Holocaust, der für ihn nie stattgefunden hat. Soll man so ein Interview veröffentlichen? Hilft man damit einem Wahnsinnigen, andere anzustecken?
Nein. Neonazis hören Mahler zu, weil er ihren Irrsinn philosophisch veredelt. Er vertritt eine extreme Minderheit. Aber in Sachsen und in Mecklenburg-Vorpommern sitzt die NPD schon im Landtag.

Wir veröffentlichen dieses Interview, weil wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat – auch wenn er Dinge sagt, die in Deutschland verboten sind: Mahler leugnet den Holocaust und benutzt den Hitler-Gruß. (Michel Friedman hat nach dem Interview als Privatperson Strafanzeige gegen Horst Mahler erstattet, Red.)

Die folgenden Passagen sind eine wortgetreue Wiedergabe des kompletten Gesprächs. Mahler hat darauf verzichtet, den Text vor der Veröffentlichung zu autorisieren. Wir haben darauf verzichtet, ihn sprachlich zu glätten.

Horst Mahler
Heil Hitler, Herr Friedman.
Michel Friedman
Wie geht es Ihnen?
H.M.
Mir geht es gut. Das sehen Sie vielleicht.
M.F.
Wann müssen Sie wieder in den Knast?
H.M.
Wann ich wieder muss, weiß ich noch nicht, steht noch nicht fest. Im Augenblick ist erst mal alles offen.
M.F.
Wie war das denn so für Sie im Gefängnis?
H.M.
Ach wissen Sie, das ist eine Zeit, wo man Dinge tun kann, zu denen man sonst nicht mehr kommt. Das ist sehr nützlich.
M.F.
So gesehen haben Sie eigentlich eine Sehnsucht, da noch mal hinzukommen? Da können Sie richtig produktiv sein.
H.M.
Also, ich habe andere Sehnsüchte, insofern liegen Sie da mit Ihren Erwartungen etwas falsch.
M.F.
Na ja, wenn Sie gerade gesagt haben, da kann man endlich Dinge tun, die man sonst nicht tun kann.
H.M.
Ja, das ist eine Feststellung, das heißt aber nicht, dass ich Sehnsucht danach habe. Ich habe Sehnsucht nach dem Deutschen Reich und …
M.F.
Ach, ich dachte, Sie haben vielleicht Sehnsucht nach Liebe und nach Freundschaft ...
H.M.
Wissen Sie, das sind Dinge …
M.F.
… und nach einem guten Buch. (lacht)
H.M.
Ja, was Sie so denken.
M.F.
Ich dachte einfach, dass Sie noch Blut in den Adern haben und Lust haben auf das Leben. Also mir kommen schon noch andere Dinge als das Deutsche Reich in den Kopf.
H.M.
Wissen Sie, die Frage ist, was man unter Leben versteht. Ich verstehe Freiheit als Leben, und dazu gehört eben die Handlungsfähigkeit des Deutschen Reiches. Erst dann sind wir wieder frei. Und das ist eine Sehnsucht.
M.F.
Ach, Sie sind doch ganz schön frei, oder?
H.M.
Meinen Sie?
M.F.
Ich habe eine Frage gestellt.
H.M.
Zum Beispiel, wenn ich jetzt sage: "Heil Hitler, Herr Friedman", bringt mir das sicherlich wieder eine Anzeige ein.
M.F.
Sie können sicher sein, dass Ihnen das eine Anzeige bringt.
H.M.
So frei ist man in diesem Lande.
M.F.
Na gut, Sie wissen aber, auf was Sie sich einlassen, das Land hat ja keine Geheimpolizei oder Geheimgesetze. Sie können sich entscheiden, einen Rechtsbruch zu begehen und dafür die Konsequenzen zu tragen.
H.M.
Das ist kein Rechtsbruch, weil das ist kein Recht, das uns das verbietet. Das ist nicht der Wille des deutschen Volkes, sondern der Fremdherrschaft.
M.F.
Erkennen Sie denn das Grundgesetz an?
H.M.
Nein.
M.F.
Erkennen Sie irgendwelche Gesetze Deutschlands an?
H.M.
Na sicher, die deutschen Reichsgesetze. Die sind nur im Augenblick nicht wirksam, weil die Fremdherrschaft sich darübergesetzt hat und die bestimmt.
M.F.
Wer sind die Fremden?
H.M.
Na, das sind die Juden halt. Ganz klar. Er ist der Herr im Hintergrund über alle Herren, nicht? Der Jude trachtet danach, sich zum Fürsten seiner Herren zu machen. Trachtet danach, die Weltherrschaft zu erlangen. Das ist moralisch gar nicht zu verurteilen. Das ist eine Feststellung. Und die Frage, wie sich die Völker dazu verhalten, ob sie sich das gefallen lassen oder nicht, ist für mich die entscheidende Frage.

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