1. "Glänzender Profi, feiner Politiker"?
  2. Das neue Leben des Altkanzlers
  3. Ist alles erlaubt, was nicht verboten ist?
  4. "Keiner tut was, ohne selbst was davon zu haben“
Kanzler in eigener Mission: Gerhard Schröder

Kanzler in eigener Mission: Gerhard Schröder

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Darf sich ein ehemaliger Regierungschef so benehmen?

Kanzler in eigener Mission

Gerhard Schröder macht Lobbyarbeit auf eigene Rechnung. Darf sich ein ehemaliger Regierungschef so benehmen?

Aus seinem Berliner Büro, Unter den Linden 50, hat Gerhard Schröder einen direkten Blick auf die russische Botschaft. Eine symbolträchtige Perspektive: Schröder ist ein Freund der Russen – und ein Freund Wladimir Putins, den er einst als „lupenreinen Demokraten“ adelte. Der russische Premier und Expräsident revanchierte sich, als Schröder im April 2004 in Hannover seinen 60. Geburtstag nachfeierte: „Wladimir“, der mit seiner Frau Ljudmila angereist war, lobte „Gerd“ als „glänzenden Profi, feinen Politiker“ und brachte ein Balalaika-Orchester sowie einen Kosakenchor mit, die mit dem auf Deutsch vorgetragenen Lied „Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen“ die etwa 400 Gäste rührten.

Auf Schröder können sich Putin und sein Präsidenten-Nachfolger Dmitri Medwedew auch heute noch verlassen: In einem Interview mit dem „Spiegel“ warf Deutschlands Exkanzler dem Westen in dessen Russlandpolitik gerade „schwere Fehler“ vor. Den georgischen Präsidenten Saakaschwili, in dessen Land Russland jüngst einmarschierte, bezeichnete er als einen „offenkundigen Hasardeur“. Ob es „eine Mitschuld Moskaus oder eine Unverhältnismäßigkeit im Vorgehen des russischen Militärs“ in Georgien gebe, will Schröder dafür nicht beurteilen können. Kritikwürdiges an Russland oder dessen Führern weiß er nicht vorzutragen.

Regt sich die Republik zu Recht auf?

Nun wäre es ein Leichtes, Schröder die platte Vermengung privater Interessen mit seiner Altkanzler-Rolle vorzuwerfen – schließlich ist er Aufsichtsratschef des Pipelinebauers Nord Stream, offiziell ein ganz normales Unternehmen, in Wahrheit jedoch in höchstem Maß vom Wohl und Wehe des Kremls abhängig. Aber ist die Sache so einfach? Ist Gerhard Schröder tatsächlich gleichsam mit Amtsende korrumpierbar geworden? Und regt sich die Republik überhaupt zu Recht auf? Oder ist es nicht das gute Recht eines Exkanzlers, sich nach dem Ende eines Arbeitsverhältnisses einen neuen Broterwerb zu suchen? Geht uns der Russen-Schröder überhaupt etwas an? Um die Antwort auf die letzte Frage schon einmal vorwegzunehmen: ja, durchaus.

Egal, was man von ihm hält: Gerhard Schröders Leben nach der Kanzlerschaft sieht zumindest wirtschaftlich betrachtet beeindruckend aus. Er hat sich ein ganzes Portfolio von Aufgaben an Land gezogen. Schon wenige Wochen nach der Stabübergabe an Angela Merkel wurde bekannt, dass Schröder Vorsitzender des Aktionärsausschusses der heutigen Nord Stream AG werden solle, die eine Pipeline durch die Ostsee von Russland nach Norddeutschland baut. Neben der russischen Gasprom, die 51 Prozent hält, und den beiden deutschen Firmen EON und BASF-Wintershall ist auch die niederländische Gasunie daran beteiligt. Ein jährliches Einkommen von 250.000 Euro ist dem Gasmann Schröder damit sicher. Außerdem sitzt Schröder im Beirat des französischen Bankhauses Rothschild. Auch das dürfte, wie Helmut Kohl sagen würde, ordentlich „Bimbes“ geben.

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