Eigentlich bin ich nur eine gute Rednerin.Jodie Foster
Das Schweigen
Bis vergangenen Dezember schirmte die Schauspielerin ihr Privatleben streng ab. Ist die Zeit der Diskretion vorbei?
Die Schauspielerin Jodie Foster hat es in über vier Jahrzehnten geschafft, so gut wie nichts über ihr Privatleben zu erzählen. Das hat nicht weiter gestört: Die meiste Zeit waren ihre Filme interessant genug, um mit ihr erschöpfend darüber zu diskutieren. Doch seit Foster 1998 Mutter wurde, arbeitet sie nur noch sporadisch – und dann in Actionfilmen wie "Panic Room", "Flightplan – Ohne jede Spur" und "Die Fremde in dir". Wenig Aufwand, viel Geld. Und immer ist sie die Wütende, Heulende, Alleingelassene, die männliche Kontrahenten zur Strecke bringen muss. Stimmt etwas nicht?
Was die Welt über Jodie Foster "weiß", sind Mutmaßungen, Verdächtigungen, Anspielungen, die Journalisten sich ausdenken, wenn ein Superstar nicht mitspielt und keine Auskunft geben will. Ein Beispiel: Noch nie hat Jodie Foster einen Intelligenztest gemacht, doch ein Gerücht hält sich hartnäckig seit vielen Jahren: Mit einem IQ von über 140 sei sie die nach Sharon Stone intelligenteste Schauspielerin Hollywoods. "Erstaunlich, dass das immer wieder über mich zu lesen ist", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" in einem Interview. "Eigentlich bin ich nur eine gute Rednerin."
Langes Schweigen
Einer von Fosters Lieblingssätzen lautet: "Ich will nicht wie Tom Cruise werden." Womit sie sagen will: Niemals wird sie in der Fernsehshow von Oprah Winfrey auf dem Sofa eine neue Beziehung bekannt geben. Wenn jemand Jodie Foster nach ihrem Liebesleben fragt, bekommt er einen gelangweilten Blick zur Antwort.
Eine Frau, die mit 14 Jahren zum ersten Mal für den Oscar nominiert war und vor ihrem 30. Geburtstag zwei Oscars gewann, die in den 90ern mehr Geld verdiente als jede andere Schauspielerin, die selbst Regie führte, produzierte und als mächtigste Frau Hollywoods galt – sie hatte eine unübertroffene Meisterschaft darin entwickelt, über Dinge zu schweigen, die ohnehin jeder wusste.
Weder bestätigte sie, dass sie lesbisch sei, noch dementierte sie. Affären wurden ihr angedichtet, zu denen sie nie Stellung nahm. Und wer der Vater ihrer Söhne ist, war schon gar nicht herauszufinden. Ein Gerücht ist im Umlauf: Ein Mitarbeiter ihrer Produktionsfirma Egg soll an der Zeugung beteiligt gewesen sein.
Im November wird Foster ihren 46. Geburtstag feiern, die Karriere des Kinderstars von einst geht ins 43. Jahr. Was bewog sie, auf einmal über ihr Liebesleben zu plaudern? War es der Druck der schwul-lesbischen Gemeinde von Hollywood, sich endlich zu outen? Oder das Gefühl, die Wahrheit nicht länger vor der Welt verbergen zu können? Überkam sie einfach nur das Bedürfnis, die wohl heftigste Krise in ihrem Leben mit möglichst vielen Menschen zu teilen, selbst wenn es anonyme Mitwisser sind?






