Sie hält die Welt in Atem
Die Geburt der Zwillinge, Superheldin in “Wanted“: Angelina Jolie wird geliebt oder gehasst. Zwei Ansichten zu der umstrittensten Frau des Planeten
Ein Plädoyer für Angelina Jolie
Das musste ja so kommen, sagen die Leute. Und beginnen aufzuzählen, was bei Angelina Jolie alles seltsam läuft. Dass sie den armen Brad Pitt anzickt, weil der sich nicht genügend um die Kids kümmert. Dass sie neulich noch eine fünfte Nanny anheuerte, weil die vier schon vorhandenen überfordert waren. Dass es bei ihr zu Hause zum Frühstück Pizza statt Biobrei gibt, dass sie auf Fotos bemitleidenswert ausgebrannt und Brad erbärmlich enteiert aussieht. Und so weiter, eine endlose Kette von Indizien, die alle dasselbe belegen sollen: Mrs Jolie hat sich selbst und uns betrogen – um den Glamour, den sie so lange verlässlich lieferte, um diese Fantasie, auf die wir uns bis vor Kurzem noch problemlos einigen konnten. Sie lebte wilder und gefährlicher als jeder Mann, gönnte sich extragroße Tattoos und extraheißen Sex und sprach hinterher mit einem extradreckigen Grinsen darüber. Ein Bad Girl, dem jeder verzieh, wie böse es war – die Männer sowieso, aber auch die meisten Frauen, weil Jolie sich herausnahm, wovon sie selbst nur zu träumen wagten. Natürlich war es eine Sauerei, einer anderen, die niemandem etwas zuleide getan hat, den Mann wegzunehmen; aber, hey!, es war Brad Pitt und die andere eine gottverdammte Langweilerin.
Von der Sex-Göttin zur Spießerin
Doch dann tat Angelina Jolie das Einzige, was man ihr wirklich nicht verzeihen konnte: Die Sex-Göttin verwandelte sich in eine Spießerin. Sie wurde zu einer von uns, schlimmer noch: zu einer, wie wir selbst nie sein wollten. Sie wurde monogam, schaffte sich so viele Kinder an wie sonst nur deutsche Familienministerinnen, gab keine detaillierten Auskünfte mehr darüber, wie toll Sex mit Frauen oder in der Limo auf dem Weg zur Oscarverleihung ist, sondern sprach stattdessen nur noch erschöpfend detailliert über das gesammelte Flüchtlingselend dieser Welt. Kein Fantasiestoff mehr, überhaupt nicht: Welcher Mann kann schon von einer Frau träumen, die alles über Darfur weiß? Und welche Frau brächte so viel Großzügigkeit auf, neidlos eine Geschlechtsgenossin zu bewundern, die auch nach einer Zwillingsgeburt aussieht, als hätte niemals etwas an ihrem Bindegewebe gezerrt? Angelina Jolie: Für immer mehr Leute ist das jemand, von dem man sich einfach nur belästigt fühlt.
Ein Schloss in Südfrankreich
Das ist ungerecht. Denn in Wahrheit tut Jolie nichts anderes, als sie schon immer getan und wofür man sie zu Recht bewundert hat: Sie nimmt sich, was sie will, und hält kein Maß dabei. Andere Promis, die etwas für die Gewissenspflege tun wollen, steigen auf einen SUV mit Hybridmotor um, suchen sich ein leicht vermittelbares Thema wie Magersucht und treten bei Charity-Galas auf; Jolie klappert eine Krisenregion nach der anderen ab, trifft sich mit US-Generälen und dem irakischen Ministerpräsidenten und versucht einer Öffentlichkeit, die von Geografie keine Ahnung hat, etwas über das Elend im Tschad beizubringen. Andere Stars besiegeln ihr Angekommensein mit zwei Kindern und einer Babypause; sie legt sich einen Clan zu. Andere, die vom wilden Leben Abschied nehmen, kaufen sich ein Anwesen in den Hollywood Hills und eine Ferienresidenz in den Hamptons; sie bezieht ein Schloss in Südfrankreich.






